Apr
29
2009

Thomas Mann: Der Zauberberg – Entwurf und Inhalt

Dieser Artikel ist der Beginn einer Serie interpretatorischen Charakters über Thomas Manns “Zauberberg”. Das Buch bietet nicht viel Action; auch wenn man einen Liebesroman lesen möchte, ist man hier falsch. Trotzdem ist der Roman sehr empfehlenswert und für Mann-Fans ein Muss. Der Roman hat stark dazu beigetragen, dass dem Autor schließlich der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde. Der “Zauberberg” ist ein Bildungsroman. Er heißt nicht nur so, er bildet wirklich, bietet Einblick in die anschaulich beschriebene Welt Thomas Manns und in die Tiefen der Philosophie, aber auch der Medizin und Musik. Ein Buch, das man zweimal gelesen haben muss.

Es existiert unglaublich viel Sekundärliteratur zu dem Buch und zum gesamten Werk Manns. Die Serie wird für Kenner deshalb keine großen Neuentdeckungen bereithalten. Dafür ist sie frei verfügbar und bietet (Erst-) Lesern, eine verständliche Hilfestellung. Dieser erste Teil soll eine einführende Funktion haben, weshalb erst einmal die Entstehungsgeschichte erzählt werden soll.

Die Entstehungsgeschichte

Thomas Mann lebte von 1875-1955. Für Geschichtsinteressierte ist es lohnenswert, sich einmal den Werdegang und die politischen Schriften (Ansichten eines Unpolitischen etc.) anzuschauen. Während des 3. Reiches emigrierte er in die USA, wo er zum wortgewaltigen Gegner des faschistischen Regimes wurde.
Aber das nur am Rande. Zu dieser Zeit war der “Zauberberg” schon längst fertig gestellt. Was wichtig ist: Bereits im Kaiserreich war Mann fleißig schriftstellerisch tätig. So stellte er 1911 seine Novelle “Tod in Venedig” fertig, die starke Parallelen zum “Zauberberg” bereit hält. Die Geschichte handelt vom Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der nach Vendig reist, sich in einen Jüngling names Tadzio verliebt (ohne dass eine Liebesbeziehung entstünde) und schließlich an der Cholera stirbt. Dabei wird er begleitet von mysteriösen Todesboten (Wanderer, Gondolier, Gitarrist…) und dem zentralen Spannungsfeld zwischen apollinisch und dionysisch (mir fallen die Substantive gerade nicht ein), dem wir auch im “Zauberberg” wieder begegnen werden.

Nach der Fertigstellung wollte Mann dem tragischen Aschenbach ein Pendant entgegensetzen, das aber mehr satirischen, ironischen Charakter haben sollte. Bei der Vieldeutigkeit der Mannschen Romane kann man das nie so genau wissen, auch wenn sie in diesem Punkt nicht an Kafka herankommen. Aus der geplanten Novelle wurde dann ein rund 800 Seiten starker Wälzer, also viel Spaß beim Lesen.

Manns Frau Katja litt zu dieser Zeit an einer Lungenkrankheit, weshalb sie lange Zeit in einem Schweizer Sanatorium verbringen musste. Die Besuche dort inspirierten Mann zu seinem Roman, an dem er 1913-1915 zu arbeiten begann. Jedoch wurde die Arbeit durch den Krieg unterbrochen. In der Pause schrieb er lieber politische Essays. Nach dem ersten Weltkrieg schrieb er dann weiter und schloss den “Zauberberg” schließlich 1924 ab. Wenn jemand 11 Jahre an einem Buch geschrieben hat, muss es gut sein.

Die Konzeption des “Zauberbergs” war damals auch nicht neu: Der Name erinnert stark an den Blocksberg der Hexen, den schon Goethes Faust besuchte und auch bei Eichendorff war schon vom Zauberberg die Rede. Apropos Rede: Der Titel wird im Buch kaum (nur zweimal (?) und auch nur indirekt) erwähnt.
Man sieht schon, wieviel sich zu dem Buch schon schreiben lässt, ohne überhaupt wirklich etwas darüber zu wissen. Das soll nun nachgeholt werden.

Die Handlung

Die Handlung lässt sich kurz, aber auch lang erzählen. Die Kurzform: Der junge Schiffsbau-Ingenieur Hans Castorp kommt in ein Tuberkulose-Sanatorium in die Davoser Alpen, um für drei Wochen seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen. Schließlich bleibt er dort sieben Jahre.
Dort lernt er viele verschiedene Personen wie den Aufklärer Settembrini oder den Jesuiten Naphta kennen. Den größten Reiz auf ihn hat jedoch die Russin Clawdia Chauchat, in die er sich verliebt. Er bleibt nicht nur im Sanatorium, weil er selbst krank geworden ist, sondern ihretwegen. Sogar nach seiner Genesung bleibt er, um auf die Rückkehr der zwischenzeitlich abgereisten zu warten. Während seiner Jahre beschäftigt er sich mit vielen philosophischen Fragen (natürlich alles in die Geschichte eingebaut) und macht eine beachtliche persönliche Entwicklung durch. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges zwingt ihn schließlich, das Sanatorium zu verlassen. In den Wirren des Krieges verliert sich seine Spur.

Es gibt an vielen Stellen im Netz Inhaltsangaben zu lesen, in zahlreichen Rezensionen und nicht zuletzt im exzellenten Artikel der Wikipedia, der ebenfalls die meisten hier erwähnten Aspekte behandelt, aber nur einen Überblick bietet.

Dieser Beitrag daselbst wurde weitestgehend ohne Benutzung der Wikipedia erstellt, genauso wie die anderen Artikel der Reihe.

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