Apr
29
2009
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Thomas Mann: Der Zauberberg – Entwurf und Inhalt

Dieser Artikel ist der Beginn einer Serie interpretatorischen Charakters über Thomas Manns “Zauberberg”. Das Buch bietet nicht viel Action; auch wenn man einen Liebesroman lesen möchte, ist man hier falsch. Trotzdem ist der Roman sehr empfehlenswert und für Mann-Fans ein Muss. Der Roman hat stark dazu beigetragen, dass dem Autor schließlich der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde. Der “Zauberberg” ist ein Bildungsroman. Er heißt nicht nur so, er bildet wirklich, bietet Einblick in die anschaulich beschriebene Welt Thomas Manns und in die Tiefen der Philosophie, aber auch der Medizin und Musik. Ein Buch, das man zweimal gelesen haben muss.

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Feb
06
2009
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Operation Walküre – Filmrezension


Operatin Walküre – Regie: Brian Singer

Wir beginnen in Afrika. Die Alliierten sind auf dem Vormarsch und Oberst Stauffenberg versucht den kommandierenden Offizier zum Rückzug zu bewegen, intensiv setzt er sich für die Soldaten ein, argumentiert, dass ein Durchhalten angesichts der gegnerischen Kräfte sinnlos wäre und hat schließlich Erfolg. So wird er also eingeführt: in legerer Feldkleidung statt in Garnitur, wenig um das eigene Fortkommen bemüht und couragiert auch gegenüber Vorgesetzten – kurz und knapp: der Held des Films.
Genug der Vorstellung, es folgen Luftangriffe, ein paar Panzer brennen, Autos kippen um und Stauffenberg verliert Auge, Hand und noch drei Finger. Damit ist das Vorgeplänkel vorbei und wir ziehen uns für den Rest des Films von Kriegsgeschehen, und größeren Explosionen zurück, Stauffenberg darf ab jetzt Ausgehuniform tragen und mit ihm alle anderen. Es wird nicht geschossen, sondern geredet; es wird nicht gekämpft, sondern geplant.

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Written by Reksilat in: Medien | Tags:, ,
Jan
12
2009
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John Le Carré – “Marionetten (A most wanted man)” – Rezension


Angeregt von einem spannend klingenden Rückentext habe ich mir vor zwei Wochen “A Most Wanted Man” (Deutsch: Marionetten) von John le Carre gekauft. Diesen Text möchte ich euch nicht vorenthalten, vor allem, weil ich mich später noch explizit auf ihn beziehen werde.

Praise for The Mission Song
‘REQUIRED READING FOR EVERYBODY
The Sidney Morning Herald

A half-starved young Russian man in a long black overcoat is smuggled into Hamburg at dead of night. He has an improbable amount of cash secreted in a purse round his neck. he is a devout Muslim. Or is he? He says his name is Issa.

Annabel, an idealistic Gyoung German civil rights lawyer, determines to save Issa from deportation. Soon her client’s survival becomes more important to her than her own career. In pursuit of Issa’s mysterious past, she confronts the incongruous Tommy Brue, a sizty-year-old scion of Brue Freres, a failing British bak based in Hamburg.

A triangle of impossible love is born.

Meanwhile, scenting a sure kill in the so-called War on Terror, the spies of three nations converge upon the innocents.

Poignant, compassionate, peopled with characters the reader never wants to let go, A Most Wanted man is alive with humour, yet prickles with tension until the last heart-stopping page. It is also a work of deep humanity, an uncommon relevance in our times.

In der deutschen Ausgabe mag der Text anders klingen, doch da ich diese nicht habe, kann ich das nicht sagen. Im folgenden werde ich mich durchweg einzig auf die englische Ausgabe beziehen!

Der Author war mir fast gaenzlich unbekannt, lediglich von dem Buch “Der Spion, der aus der Kaelte kam” habe ich schon einmal etwas gehoert, gelesen habe ich es allerdings nicht. Der Kauf war somit fast ein Blind-Kauf, ich kannte das Buch nicht, habe keine Empfehlungen gehoert, nur der Rückentext schien vielversprechend zu sein. Meine Erwartungen waren also nicht unglaublich hoch, ich freute mich auf einen spannenden, unterhaltsamen und vor allem facettenreichen Thriller mit einer großartigen Story.

Handlung:

Aus einem tuerkischen Gefaengnis geflohen und illegal nach Deutschland eingereist sucht ein tschtschenischer Moslem Zuflucht bei einer muslimischen Familie in Hamburg. Am Anfang erscheint er dieser, Melik und seiner Mutter Leyla, als armer, halbverhungerter und etwas verwirrter Mensch, fuer den Melik kaum Sympathien aufbringen kann. Doch je mehr sie von ihm erfahren, desto mehr gibt dies Melik zu denken. Sein richtiger Name ist Issa, seine “Reise” konnte er finanzieren, da er einen Geldbeutel um den Hals hatte, der voll mit amerikanischen Dollar-Noten ist. Von der Tuerkei aus ist er durch mehrere Bestechung per Schiff erst nach Skandinavien und anschliessend nach Deutschland gekommen. Doch warum gerade Hamburg? Issa ist davon ueberzeugt, dass ihm nur von Tommy Brue, dem Direktor einer britischen Bank in Hamburg, geholfen werden kann. Auch Annabel Richter, eine junge Anwaeltin der Sanctuary North, einer Organisation, die Immigranten hilft, sich in Deutschland einzuleben, wird in den Fall miteinbezogen, indem sie Issas Interessen als seine Anwaeltin vertritt. Doch sowohl Tommy Brue als auch Annabel Richter, nicht zu erwaehnen natuerlich Issa, Melik und Leyla, bewegen sich in viel groesserer Gefahr als sie anfaenglich denken. Denn die Geheimdienste verschiedener Staaten halten Issa fuer einen islamistischen Terroristen. Somit sind ihnen der amerikanische, britische und deutsche Geheimdienst auf den Fersen. Doch das haelt die Protagonisten nicht davon ab, Issa (aus von Person zu Person verschiedenen Gruenden) zu beschuetzen und vor der Deportation zu bewahren, auch wenn sie damit ihre eigene Karriere und Anerkennung in starke Gefahr bringen.

Meine Meinung:

Der Anfang des Buches liest sich sehr schnell und fluessig und ich habe mich gefreut, das Buch gekauft zu haben. Als Leser befindet man sich erstmal in Meliks Perspektive und teilt seine Gedanken und Gefuehle. Man steht Issa noch etwas skeptisch gegenueber, was vor allem durch seine Erscheinung zu begruenden ist. Doch je mehr ueber ihn bekannt wird, desto mehr mag man ihm glauben und bemitleidet ihn fuer die Folter, die er in seiner Gefangenschaft erdulden musste. Doch das zweite Kapitel unterbricht diesen Lesefluss massiv, da es direkt zu Tommy Brue springt, ueber den man bisher noch kein Wort gehoert hat. Das Tempo wird also etwas gebremst und die Geschichte komplexer. Doch die Linien finden zusammen und ueber Annabel Richter kann Issa nun auch mit Tommy Brue kommunizieren und seine Anliegen vorbringen. Auch hier hat mir das Buch noch relativ gut gefallen, doch es flacht langsam ab, das anfaengliche Tempo ist raus und das Buch schleppt sich ueber den Mittelteil etwas hin.

Hier werden vor allem sehr viele Geheimdienst-Mitarbeiter verschiedener Laender vorgestellt, doch das war es auch schon. Nur Guenther Bachmann wird genauer beleuchtet, alle anderen zwar hin und wieder erwaehnt, aber sie bleiben blass. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte: Die Figuren werden zu wenig beleuchtet, es wird zu wenig mit ihnen gemacht. Annabel soll eine junge, attraktive aufstrebende Anwaeltin mit festen Vorstellungen sein, die fuer die Menschen(-rechte) kaempft. Doch dabei bleibt es auch schon. Sie hat im Prinzip kein Privatleben, keine Freunde, sie scheint durchweg mit ihrer Arbeit beschaeftigt zu sein. Das steht fuer mich etwas in Kontrast zu ihren Attributen jung und attraktiv. Auch wird die Gefahr, in der sie durch ihre Arbeit ist, bei weitem nicht ausreichend beschrieben. Man muss nur einmal bedenken, dass sie einem tschtschenischen Moslem hilft, der als islamistischer Terrorist auf den Fahndungslisten des Interpols steht. Das heisst fer Annabel, dass sie, sollte es herauskommen, ihren Job verliert und zusaetlich harte Strafen erdulden muss, da sie einen potentiell aeusserst gefaehrlichen Terroristen beschuetzt. Doch von ihren Arbeitgebern bekommt man nichts miy, das darauf hindeuten koennte. Auch Familie und Freunde werden weitestgehend ausser acht gelassen, was Annabel fuer mich als etwas unrealistisch erscheinen laesst.

Tommy Brue gefaellt mir als Charakter wesentlich besser. Er ist ein reicher britischer Banker, der etwas muede vom taeglichen Arbeitsleben ist und ein kaputtes Privatleben hat. Seine erste Ehe ist geschieden und seine zweite sieht auch nicht sehr rosig aus. Und doch ist er entschlossen, Issa zu helfen, wenn auch nur, um somit alle “Lippizaner” loszuwerden.

Der Werdegang Issas ist auch interessant zu beobachten. Am Anfang konnte ich mich mit ihm noch nicht ganz anfreunden, dieses Misstrauen hat sich erst im spaeten Mittelteil weitestgehend gelegt. Er ist die einzige Person, die eine bedeutende Wandlung in diesem Buch durchmacht. Am Anfang ist er veraengstigt und etwas duester, doch sehr gottesfuerchtig. Diese Gottesfuerchtigkeit behaelt er auch bis zur letzten Seite bei, mir schien es manchmal, als sei das das einzige, was ihn am Leben halte. Mit der Zeit wird er aber immer selbstbewusster, auch wenn er immer noch sehr vielen Menschen misstraut. Ich bin mir immer noch nicht klar, ob er sich des Ausmasses seiner Gefahr wirklich bewusst ist, oder ob er das Gefaegnis als einzige Gefahr sieht. Er bleibt das ganze Buch ueber ziemlich zugeknoepft und legt sein Schicksal in Allahs Haende. Sehr oft hat er mich an Sonny, den Roboter aus I Robot (mit Will Smith, sehr guter Film :)) erinnert. Es ist schwer zu erklaeren, warum; ich schaetze, es waren seine Aussagen, die Art wie und was er gesprochen hat. Wenn ihr den Film gesehen habt, wisst ihr hoffentlich, was ich meine, denn ich finde es sehr schwer in Worte zu fassen.

So gut der Anfang auch war, der Grossteil des Buches konnte mich nicht fesseln. Die Geschichte geht langsam voran, man wird mit Namen von blassen Geheimdienstmitarbeitern regelrecht bombadiert, die man sich schwer merken kann, da es so viel sind, die sich nicht gross voneinander unterscheiden. Sie sind nicht essentiell wichtig, aber dennoch ist es teilweise schwer, den Sinn zu verstehen, wenn man nicht weiss, zu welchem Geheimdienst jemand nun gehoert und wie sein persoenliches Verhaeltnis zu den beteiligten Personen ist. So schleppte ich mich von Seite zu Seite, obwohl sehr wenig passierte. Doch bald waren die letzten 20 Seiten erreicht, da habe ich mich gefreut. Auf den letzten 10 Seiten wurde es dann endlich nochmal spannend, es kamen Action und unerwartete Wendungen hinein. Dieses Bisschen hat mich wirklich gefesselt. Doch es waren wie gesagt leider nur die letzten 10 Seiten. Im Grossteil des Buches passiert einfach zu wenig und der Schreibstil ist sehr langsam und trocken, wodurch es sich sher lange hinzuziehen scheint.

Das Ende laesst dann leider 99% der Fragen offen, was ich sehr schade finde. Zwar regt es stark zu denken an, aber man kann die Geschichte schlecht selber weiter erzaehlen. Es ist ploetzlich, schnell und wenig informativ, sodass es den Leser unbefriedigt das Buch zuklappen laesst.

Den Mittelteil haette man meiner Meinung nach stark kuerzen koennen, dafuer waere die Geschichte mit Beantwortung dieser Fragen ordentlich zu Ende gebraacht worden. So steht fuer mich nur fest, dass John le Carre definitiv kein USA-Fan ist, er kritisiert mit diesem Buch unsere Gesellschaft, aber vor allem die Regierungen der westlichen Laendern und deren Geheimdienste.

Womit ich auch schon bei der Relevanz zu unserer heutigen Zeit waere. Das Buch ist natuerlich nicht nur eine Geschichte, soe hat auch eine Botschaft. Hier wird ganz klar gezeigt, wie die Geheimdienste der westlichen Staaten eher als Feinde denn als Freunde agieren, jeder kocht sein eigenes Sueppchen und will dabei die Suppe des anderen versalzen. Auch sagt der Author, dass viel zu viele Unschuldige wegen Scheingruenden einfach so festgenommen und eingesperrt werden, einfach, um sagen zu koennen, man habe mal wieder einen Terroristen geschnappt. Aus dieser Sicht betrachtet ist das Buch auch wirklich gut, denn diese Botschaft ist leider wahr und gut ruebergebracht.

Jetzt moechte ich nochmal auf den Buchrueckentext zurueckkommen. Dieser hat mich dazu verleitet, das Buch zu kaufen, doch jetzt, nachdem ich es gelesen habe, sehe ich ihn voller Halb- und Unwahrheiten.

Erstmal finde ich es sehr komisch, dass auf einem Buch Werbung fuer ein anderes Buch gemacht wird, auch wenn es vom gleichen Author stammt. Aber gut, das ist meine persoenliche Meinung und kann wohl jeder selbst entscheiden.


Jetzt aber zu der eigentlichen Beschreibung:

“Ein halbverhungerter junger Russe in einem langen schwarzen Mantel wird in der Schwaerze der Nacht nach Hamburg geschmuggelt.”
–> Klingt toll, davon kriegt man aber leider nichts mit. Das hätte man sehr schoen verwerten können, diese Möglichkeit hat le Carré aber leider ausgelassen.

“Bald ist ihr [Annabel] das Überleben ihres Klienten wichtiger als ihre Karriere.”
–> Auch heraus haette man ein schoenes Drama machen koennen, diese Gefahr wird aber ueberhaupt nicht beschrieben. Leider. Es waere ungleich spannender, wenn Annabel auch darum kaempfen muss, ihren Job zu behalten, bzw. ihn verliert und anschliessend wieder bekommen will.

“Ein Dreieck unmöglicher Liebe ist entstanden.”
–> Tommy liebt Annabel, Annabel fuehlt sich sowohl zu Tommy als auch zu Issa hingezogen, bei Issa bin ich mir unklar. Allerdings ist diese Geschichte noch nicht mal eine Nebenstory, das haette man auch stark erweitern koennen.

“Bevölkert mit Personen, die der Leser nie verlieren will”

–> Da die Personen leider unzureichend beschrieben sind, konnte ich mich nicht wirklich mit ihnen identifizieren. Es wird einfach zu wenig über sie ausgesagt, als dass ich sie “nie verlieren” moechte. Eine Ausnahme könnte da Tommy Brue bilden.

“Marionetten lebt mit Humor …”
–> Kein einziges Mal musste ich in diesem Buch laecheln oder schmunzeln, von lachen gar nicht zu reden. Gaehnen war viel oefter an der Tagesordnung.

“…[Fortsetzung vom letzten zitierten Satz], knistert aber vor Spannung bis zur letzten atemberaubenden Seite.”
–> Wenn man das nur auf die letzten 10 Seiten bezieht, stimmt es, ansonsten ist es Schwachsinn.

“Es ist außerdem ein Werk tiefer Menschlichkeit und einer ungewoehnlichen Relevanz zu unserer heutigen Zeit.”

–> Hier hat er Recht, das ist ein absoluter Pluspunkt!

Fazit

Das Thema ist sehr interessant, allerdings ist es das Buch dank des Schreibstils und vieler ausgelassener Moeglichkeiten leider nicht. Ueber lange Strecken ist es langweilig und trocken, sodass ich es teilweise fast weggelegt haette. Es wurde viel zu viel Potential verschenkt, Moeglichkeiten, es sehr spannend gestalten, gab es naemlich genug.

Deswegen meine Wertung: 4/10 Sternen

Danke an Hannibal für diese Rezension.

Jan
10
2009
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“Watership Down” – Lektüreempfehlung

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Das Buch handelt von einer Kaninchengruppe, die von ihrem Anführer Hazel aus ihrem Gehege geführt wird um eine gefährliche Reise in eine ungewisse Zukunft anzutreten. Es kommt zu dramatischen Begegnungen mit Füchsen, Menschen und anderen Kaninchen. Dabei bleibt das Buch nie das Kinderbuch, da viele vermutlich aufgrund der Kaninchen als Protagonisten erwarten würden. Zentrale Themen des Buches sind Macht(-missbrauch), Umweltzerstörung, Unterdrückung und Autorität. Die verschiedenen Kaninchengehege, auf die die Kaninchengruppe trifft sind in verschiedenen Gesellschaftssystemen organisiert, was zu Konflikten und völlig unterschiedlichen Verhaltensweisen der Kaninchenstämme führt. Der Autor schafft es, der Geschichte Emotionen zu verschaffen, ohne das Ganze in einem Studel von Kitsch untergehen zu lassen. Die verschiedenen Kaninchen werden charakterlich sehr präzise gezeichnet, wodurch die Interaktionen in der Gruppe und gegenüber anderen Kaninchen eine enorme Spannung aufbauen. Der Buch wurde damals auch aufgrund seiner exakten Ortsbeschreibungen bekannt. Der Autor versetzte die Handlung des Buches in das Gebiet, in dem er aufwuchs. Jeder beschriebene Ort, ob Farm oder Fluss existiert bzw. existierte während der Kindheit des Verfassers tatsächlich.
Das Buch wurde oft mit Orwells Farm der Tiere verglichen und als politische Botschaft oder gar Parabel bewertet, was der Autor jedoch mehrfach abstritt. Dennoch ist das Buch aufgrund der genannten Punkte weit mehr als ein Abenteuerroman für Kinder.
Der Roman wurde als Zeichentrickfilm verfilmt. Ich habe ihn noch nicht gesehen, doch wird er meist sehr positiv bewertet. Allerdings ist die Romanhandlung verkürzt, die Geschichten der “Kaninchenmytholgie” die die Kaninchen sich gegenseitig erzählen, entfallen beispielsweise.
Beim Erscheinen des Filmes gab es eine Diskussion, ob dieser Film für Kinder geeignet wäre (er erhielt eine FSK 6 Einstufung), oder ob die teils drastischen Szenen Kinder verstören könnten. Ich werde mir den Film bald einmal anschauen, dann kann ich hier ja ergänzen, ob er mir gefallen hat.

Wertung: 9/10

Written by opd in: Medien | Tags:,
Jan
10
2009
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“In eisige Höhen” – Lektüreempfehlung

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Der amerikanische Autor schloss sich 1996 der Expedition des Bergführers Rob Hall an, das Ziel der Expedition: Die Besteigung des 8849 Meter hohen Mount Everests.
Zeitgleich mit Halls Expedition befand sich auch die Gruppe um den Bergführer Scott Fisher am Everest. Beide Expeditionen hatten eines gemeinsam; sie waren kommerzielle Expeditionen, bei denen die Berführer für hohe Summen (ca. 65.000 $/Person) Kunden auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt führen sollten.
Im Gegensatz zu den Everest erfahrenen Bergführern der Expeditionen waren viele Teilnehmer das Höhenbergsteigen nicht gewohnt, sondern konnten höchstens Erfahrungen aus den Alpen vorweisen. Die Aufgabe der Expeditionsführer war es nun, mit vielen Sherpas und einer ununterbrochenen Versorgung mit Sauerstoffflaschen für ihre Kunden auch mittelmäßigen Bergsteigern das Erlebnis einer Eversestbesteigung bieten zu können.
Schon im Basislager wird Krakauer aufgund der offenbar fehlenden Erfahrung der Kunden skeptisch. Die Bergführer geben am Gipfeltag die Uhrzeit von 14:00 als letztmöglichen Umkehrpunkt an, da ansonsten die Gefahr unkalkulierbar würde.
Aufgrund der schieren Menschenmasse am Berg, logistischer Fehler und dem mangelhaften körperlichen Zustand einiger Kunden verzögert sich der Aufstieg teils um Stunden. Sherpas müssen die unerfahrenen Bergsteiger fast den berg hochziehen, oder werden mit sehr schweren Satallitentelefonen belastet, damit eine amerikanische Hobbybergsteigerin vom Gipfel telefonieren kann. Durch diese überflüssigen Kraftanstrengungen werden diesen Menschen später die Kräfte fehlen, um anderen in Lebensgefahr schwebenden Expeditionsteilnehmern zur Hilfe zu kommen.
Auch die erfahrenen Bergsteiger Hall und Fisher ignorieren ihre selbst gesetzten Umkehrzeiten, um auch den letzten Kunden auf den Gipfel zu helfen. Als 2 Stunden nach der Umkehrzeit noch Menschen auf dem Gipfel sind zieht ein Schneesturm mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und Temperaturen von bis zu -75 Grad auf. Die Sichtweite sinkt auf wenige Meter und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Krakauer stieg als einer der ersten vom Gipfel ab und schildert, wen er auf seinem Weg zum sicheren Lager trifft, in welchem Zustand die ihm noch entgegenkommenden Bergsteiger waren und wie versucht wird, den im Schneesturm Umherirrenden versucht wird zu helfen. Durch diesen “Augenzeugenbericht” eines Betroffenden gestaltet sich das Buch sehr bewegend. Krakauer schildert nicht einfach nur die Tragödie; er erklärt wie es dazu kommen konnte, dass in dieser Nacht mehr Menschen am Everest starben als je zuvor. Er hinterfragt den neu aufkommenden Kommerz des Höhenbergsteigens, ohne einseitige Schuldzuweisungen auszusprechen. Trotz des Schicksals der Expeditionsteilnehmer entsteht beim Leser ein Eindruck von der Faszination Everest.

Aufgrund des Hintergrundes dieses Tatsachenberichts verbietet sich meiner Meinung nach eine Wertung. Empfohlen sei es aber allemal.

Written by opd in: Medien | Tags:,
Jan
10
2009
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“Iovialis – Geständnisse eines Terroristen” – Lektüreempfehlung

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Ich möchte euch gerne auf ein Buch und damit einen Menschen aufmerksam machen, das ich vor längerer Zeit mal las und seitdem immer mal wieder gelesen habe.

Iovialis – Geständnisse eines Terroristen

Es geht im Grunde genommen um Jörg Drescher, der einen authentischen Gegenwartsroman schrieb, indem er über sich selbst berichtete.
Jörg berichtet in dem Buch immer wieder aus verschiedenen Zeiten. Der Sachverhalt ist etwas kompliziert, da es die Gegenwart gibt, in der das Buch geschrieben wurde (Ort: Kiew), dann eine zweite Zeit, die etwas länger zurück liegt und die in der Gegenwart endet (ebenfalls in Kiew) und dann die eigentliche Geschichte des Buches, das Leben Jörgs als Jugendlicher in Deutschland.

Hier eine grobe Zusammenfassung:
Jörg lebte in einer zerrütteten Familie, seine Mutter wurde von seinem Vater vergewaltigt und gequält, was letztendlich zum Auszug Jörgs führte. Er rutschte ab ins Drogenmillieu, lebte bei Freunden, konnte die Schule nicht mehr ordentlich abschließen, war aber simultan ein politisch interessierter junger Mann, der sich informierte und einige unstimmigkeiten fand, die ihn sehr ärgerten. So versuchte er diese Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, schrieb an Politiker, redete mit Professoren, las viele schlaue Bücher, doch alles half nichts.
Die Welt wurde nicht besser und bald folgten die ersten Bombendrohungen Jörgs. Zwischenzeitlich versuchte er, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, kam in psychatrische Behandlungen, hatte Rückfälle und immer und immer wieder ärgerte er sich über Unstimmigkeiten im Grundgesetz. Wieder versuchte er, die Politik zu ändern, er war allerdings zu diesem Zeitpunkt schwer Drogensüchtig, er litt an Wahnvorstellungen.
Er kam zu dem Entschluss, dass Bombendrohungen allein nicht ausreichten, beriet sich mit einem Bekannten und plante den Bau einer Bombe. Das Material besorgte er sich, baute die Bombe, ließ allerdings den Zünder weg. Tatsächlich deponierte er die Bombe in einem Schließfach eines Bahnhofes und verständigte mehrere Zeitungen. Allerdings war er vom Drogenkonsum dermaßen mitgenommen, dass er das nicht anonym tat, sondern so, dass Rückschlüsse auf ihn zu ziehen waren. Die Zeitungen leiteten die Drohung ans BKA weiter, dieses stand sehr schnell bei Jörg vor der Tür.

Vom weiteren Verlauf möchte ich nicht viel erzählen, vielleicht noch soviel, dass es um den Bau einer schmutzigen Bombe geht (Radioaktives Material wird mit Sprengstoff verteilt, der Schaden ist gering, der Effekt sehr groß).

Was mich an der Geschichte sehr fasziniert ist, dass das alles zu einer Zeit geschah, die noch nicht so lange her ist. Es geht um die RAF-Morde, es geht um die mysteriösen Todesfälle von inhaftierten RAF-Mitgliedern, aber auch darum, dass Schröder aus Verfassungswidrigen Gründen die Vertrauensfrage stellte. Die Handlung spielt quasi mitunter in einer Zeit, an die ich mich noch sehr gut erinnern kann, dennoch kann man eine völlig andere Sicht der Dinge erleben, von Tatsachen lesen, die man vorher nicht kannte.
Neben der Erzählung fließt sehr viel geschichtliches Wissen mit ein, belegt durch Quellenangaben.

Tatsächlich ist Jörg Drescher der erste Terrorist, dessen Beweggründe ich nachvollziehen konnte und der mir komischerweise sympatisch ist. Das soll nicht heißen, dass ich Bombendrohungen und Terror gutheiße, gerade deshalb hat mich diese Geschichte ziemlich verwirrt.

Es ist ein meiner Meinung nach recht wertvolles Buch, da es authentisch berichtet und den Lebensweg eines Terroristen darlegt. Auch ist es durchaus spannend geschrieben, auch wenn es teilweise sehr verwirrend ist. Ich habe noch kein anderes Buch gefunden, was sich damit vergleichen ließe (was jetzt ohne Wertung gemeint ist).

Diskussion auf Freibrief.net

Written by wemaflo in: Medien, Recht & Gesetz | Tags:,
Jan
05
2009
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The Dark Knight – Filmrezension

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Letzte Woche war es soweit, ich bin zu einer Pressevorführung von “The Dark Knight” eingeladen worden und konnte mir gute drei Wochen vor dem offiziellen Deutschland-Release den zweiten Teil des neuen Batman-Franchise ansehen. Es ist übrigens der erste Batmanfilm, der im Titel auf den Namen Batman verzichtet und als eine klare Anlehnung an Frank Millers düstere Batmanwelt zu verstehen ist.

Seit “Batman Begins” zählte ich die Tage bis irgendetwas Neues zum bevorstehenden Batman-Sequel im Internet erscheint. Christopher Nolans (Regisseur von “Batman Begins” und “TDK”) reifere und düstere Interpretation von Batman überzeugte und begeisterte mich seit 2005 mehr als die in die Jahre gekommene, aber immer noch wunderbar anzusehenden Vision des Altmeisters Tim Burton. Von der absurden, überzeichneten und homoerotischen Vorstellungen eines Batmanuniversums des Regisseurs Joel Schumachers, verliere ich am besten kein Sterbenswörtchen. Nur soviel: seine beiden Filme “Batman Forever” und “Batman & Robin” waren sehr imageschädigend für das Franchise des Fledermausmannes und hinterlassen heute noch schockierte Blicke und schüttelnde Köpfe bei echten Fans.
Es vergingen ganze zehn Jahre bis Batman reanimiert werden konnte und die Leinwand zurückeroberte. Eine wichtige und gute Entscheidung war es Batman und seiner Umwelt einen realistischeren Anstrich zu verpassen und Gotham City, der fiktiven Stadt in der Batman für Recht und Ordnung kämpft, düster, hart und fernab von jeglichem Klamauk und Cartoonstil der vergangen Tage zu entwerfen. Die alten Fans danken den derzeitigen Verantwortlichen für diesen Entschluss, den Batman-Stoff im Sinne der finsteren Vorlagen von Frank Miller (”Batman: Year One”; “Batman: The Dark Knight Returns”; “Batman: The Dark Knight Strikes Again”), Alan Moore (”The killing Joke”) und Jeph Loeb & Tim Sale (”Batman: The long Halloween”) zu gestalten und Batmans wahren Geist filmisch umzusetzen.

Der Tag war gekommen. Mein Kollege und ich wurden vor dem Eingang zum Kino ordentlich durchsucht, bekamen ein paar Freigetränke und konnten uns dann in einem sehr großen Kinosaal nach Belieben freie Plätze für die kommenden 152 Minuten aussuchen. Der Saal war gut gefüllt und man spürte die Unruhe der zahlreich angereisten Fans, die Vorfreude in den Gesprächen und eine allgemein gute Stimmung im Saal.
Das Licht ging aus, die Geräuschkulisse verstummte und die leblose Leinwand begann plötzlich Farbe anzunehmen. Das Kinoereignis des Jahres 2008 hatte für mich begonnen.

Handlung:

Gotham City erlebt wieder eine neue Welle des Terrors. Ein mysteriöser Krimineller namens Joker treibt sein Unwesen in der Stadt. Dieser raubt und mordet, besitzt einen Hang zur Theatralik und gilt als sehr gefährlich.
Inzwischen wurde in Gotham der Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent neu gewählt. Dent ist die Lichtgestalt von Gotham und mit seinem unbestechlichen Image nährt er die Hoffnungen der Bürger auf eine positive Zukunft. Batman glaubt, dass Dent ihn in naher Zukunft ablösen kann. Als gerechter Vertreter der Justiz, unmaskiert, adäquat sowie legitim in seinem Handeln und seiner Existenz, sei er der bessere Held Gothams. Zusammen mit dem rechtschaffenen Lieutenant Jim Gordon und der Hilfe von Batman, versucht das Triumvirat Gothams Kriminalität das Handwerk zu legen.
Joker baut währenddessen in der Stadt seine Macht aus und hält immer mehr Fäden in seinen Händen. Er erweist sich als ein psychopathischer und unberechenbarer Killer, der keine Skrupel und auch keine Plan besitzt, außer die Stadt und ihre Bewohner in Chaos und Anarchie zu stürzen und diese brennen zu sehen. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, muss er an den Beschützern Gothams vorbei. Er beginnt ein dämonisches Spiel, ein Spiel das von Erpressung, Mord und Zerstörung geprägt ist und das in dessen Endbilanz sehr verlustreich ausfällt.

Meinung zum Film:

Die langersehnte Fortsetzung knüpft genau dort an, wo “Batman Begins” aufhört. Der Film erweist sich mit seinen 152 Minuten (2½ Stunden) als ein breit angelegtes episches Spektakel, mit top Besetzung bis in die Nebenrollen hinein, gewohnt spektakulärem orchestralischem Soundtrack von Hans Zimmer und James Newton und einer tollen Optik. Gotham präsentiert sich dem Zuschauer metallisch, gläsern und kalt, was die düsteren Grundstimmung des Films gut unterstreicht. Wirkt zugleich aber auch blass, durch jede andere real existierende Großstadt austauschbar und besitzt so gut wie keine markanten Bauwerke. Man versucht hier das fiktive Universum zu sehr mit der echten Welt zu verschmelzen und nimmt dem Film damit etwas an Atmosphäre.

Die beiden Routiniers und Oscarpreisträger Michael Cain als Butler Alfred Pennyworth, der für Bruce Wayne moralische Unterstützung und Vaterfigur ist und Morgan Freeman als Lucius Fox , welcher der Abteilungsleiter für angewandte Wissenschaften bei Wayne Enterprises ist und als gewiefter Fuchs Batman mit allerlei technischem Spielzeug versorgt, machen beide ihre Arbeit sehr überzeugend. Sie unterstützen Bruce Wayne / Batman mit Ratschlägen, technischem Spielzeug und liefern immer wieder sehr amüsante One-liner. Wem ihre sympathische Darstellung aus dem ersten Teil bekannt ist, darf auch hier wieder ähnliches Niveau der beiden Rollen erwarten.
Weiterhin zieren den den Cast dieses Sequels solche Größen wie Gary Oldman als Lieutenant Jim Gordon, Heath Ledger in der Rolle des Batmanerzfeindes Joker, Christian Bale mimt wieder Bruce Wayne und sein Alter Ego Batman, der aufstrebende Schauspieler Aaron Eckhart ist als Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent tätig und Maggie Gyllenhaal ist als Staatsanwältin Rachel Dawes zu bewundern.

Die Story und das Drehbuch stammen auch dieses Mal wieder von C. Nolan Brüdern und David S. Goyer. Diese haben bereits beim ersten Film zusammengearbeitet und bezogen auch Nolans Bruder (Jonathan Nolan) in den kreativen Prozess mit ein.
Während sich der ersten Teil vordergründig um Bruce Wayne und die Geburt des dunklen Ritters beschäftigt, konzentriert sich der zweite Teil auf die Beziehungen und die Symbiose der vorhandenen Charaktere. Auch wird erstmals Batman kritisiert und seine Selbstjustiz infrage gestellt. Ebenso wichtig erschien es den Machern, das Verhältnis zwischen dem Staat und den Kriminellen/Terroristen in den Film mit einzubeziehen und die dabei entstehenden Schwierigkeiten zu verdeutlichen.
Die Story serviert einige Überraschungen, fällt abwechslungsreich aus und unterhält fast über die gesamte Dauer des Films ziemlich gut. Außerdem durchleben alle storyrelevanten Figuren eine Entwicklung, wodurch der Eindruck vermitteln wird, dass sich alle Figuren am Geschehen beteiligen und niemand überflüssig ist.
Positiv kann ich auch noch anmerken, dass man auf Übertreibungen in der Story und einen Cliffhanger verzichten konnte. Das bewirkt, dass der Film als schlüssig und abgeschlossen verstanden werden kann.

Die Motive einiger Figuren mögen unter Umständen etwas unnatürlich erscheinen und bei all der Qualität entweder ärgerlich, oder als verschmerzbar wirken. Dann gibt es wiederum einige kleine Szenen, die man als zu sehr getimet empfinden könnte. Ich persönlich empfand diese kurzen Momente als etwas störend und es ist der sonstigen Brilanz eines Christopher Nolans nicht würdig. Wenn man nicht zu sehr ins Detail geht und den Comiccharakter der Vorlage hervorhebt, so dürfen diese Kritikpunkte relativ wenig ins Gewicht fallen und könnten nur den Cineasten ein kleiner Dorn im Auge sein.
Auf der anderen Seite hätte man den Film auch etwas kürzen können. So ist z.B. der Ausflug Batman nach Hongkong nicht wirklich nötig gewesen und der Gastauftritt von Scarecrow (einem Bösewich aus “Batman Begins”), gespielt von Cillian Murphy, wirkt auch nicht unbedingt spektakulär. Etwas mehr Screentime für die alte Vogelscheuche wäre hier angebracht gewesen.

Zu dem Cast lässt sich im Detail folgendes sagen: Garry Oldman macht eine sehr gute Figur in seiner Rolle. Er verleiht der Figur Jim Gordon viel Menschlichkeit und ist sowohl als Commissioner, wie auch als sorgenvoller Vater und Familienmensch sehr gut anzusehen.
Aaron Eckhart ist der neue Star des Franchise. Er ist neben Joker ein weitere Motor für den Antrieb die Entfaltung der Story, gleichzeitig kommt ihm allerdings auch eine sehr tragische Rolle zu, die Gott sei Dank (diese Worte gebrauche ich wirklich selten) ohne viele Klischees solcher Charaktere auskommen muss. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und fügt sich somit wunderbar ins realitätsnahe Szenario der neuen Batmanwelt.
Der Hype um Ledgers Leistung ist so eine Sache – was wohl mit seinem plötzlichen Tod nach den Dreharbeiten zu tun hat – doch eines ist gewiss, es ist bei weitem eine der beste und teuflischsten Darstellung eines Filmbösewichtes der letzten Jahre. Joker: “This city deserves a better class of criminal and I’m gonna give it to them.” Diese Worte wirken fast schon etwas prophetisch, denn sie stimmen und man muss es wirklich gesehen haben! Wirklich schade, dass es Ledgers letzter Auftritt als Joker bleiben wird.
Joker bringt Chaos in die geschaffenen Strukturen von Gothams Verbrechensbekämpfung und auch er ist es, der allen im Film die Show stiehlt. Seine perfide Art und sein fiebriges und psychopathisches Wesen wird von Heath Ledger eindrucksvoll dargestellt. Ledger schafft es eine Darstellung abzuliefern, die die Zuschauer an seinen Lippen hängen lässt und man von ihm völlig gebannt zusehen muss sobald er den Raum betritt. Er bringt Batmans Pläne gehörig ins wanken, da er das absolute Gegenpol zu ihm darstellt. Während Batman stets einen Plan besitzt und Regeln befolgt, interessiert Joker weder Geld, noch Ruhm, noch irgendwelche Pläne, Regeln und Gesetze. Das ist auch seine größte Waffe, mit der er Batman an den Rand der Legalität treibt und die Ordnung stört. Zwar hat Joker auch seine Ziele, doch er findet viel mehr Gefallen daran mit Batman zu spielen und Chaos zu stiften. Seine Taten liegen dabei oft außerhalb von Berechnungen und Logik und diese Spontaneität und Unberechenbarkeit machen ihn zu einer harten Nuss für Gothams dunklen Ritter.
Einen ausführlichen Vergleich mit Nicholsons Joker vermeide ich besser an dieser Stelle. Die Zeiten ändern sich und Ledgers Version passt eben viel besser in die heutige Zeit hinein. Ledger ist zwar mein Favorit, doch Nicholson hat ebenfalls seinen Charme und darf keinesfalls als Vergangenheit abgetan werden.
Christian Bale steht in diesem Film ausnahmsweise etwas im Schatten von Mr. Ledger, aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn auch er hat seine Momente und strahlt als pechschwarze Fledermaus viel Stärke und Cooleness aus. Egal ob Bruce Wayne oder Batman, man kauft ihm seine Rolle ab. Was sehr erheiternd ausfällt, ist die Darstellung von Bruce Waynes öffentlichem Leben, immer wieder tritt er in Begleitung von irgendwelchen namenlosen, aber sehr attraktiven Mädchen auf. Das hat man schon im ersten Teil gesehen. So ein Doppelleben macht es wohl nicht einfach eine feste Beziehung mit jemanden einzugehen. ;-)
Ansonsten kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass so gut wie alle wichtigen Figuren, eine angemessene Screentime erhalten haben und niemand austauschbar, oder glanzlos auf der Leinwand wirkt.

Die Kampfszenen wurde in “TDK” besser gefilmt als noch im ersten Teil. Während noch in “Batman Begins” verwackelte und mit vielen Schnitten versetzte Aufnahmen die Optik prägten, lässt man dem Auge jetzt wesentlich mehr Zeit zur Erfassung von Bewegungen und eine bessere räumliche Wahrnehmung.
Wie die Trailer bereits zeigen, gibt es auch in diesem Teil wieder Szenen mit dem großartigen Tumbler (ein riesiges Automobil von Batman) und dem neuen Spielzeug seiner dunklen Majestät, dem Batpod (Batmans Motorrad). Auch der neue Anzug lässt wesentlich mehr Bewegungsfreiheit zu und die gestiegene Agilität ist dem geflügelten Fledermausmann deutlich anzumerken.
Nolan verzichtet größtenteils auf CGI-Effekte. Sie werden hin und wieder eingeschleust, doch wirken eher subtil und somit keinesfalls störend. Das ist gut, denn es lässt die Action viel realistischer wirken, als es bei anderen Actionfilmen der Fall ist.
All das, wie auch die gut gelungenen Suspense-Momente werden durch den tollen Soundtrack untermalt. Der akustische Flügelschlag ist in den Stücken wieder einmal zu vernehmen. Sehr gefallen haben mir darüber hinaus auch noch einige Szenen, in denen plötzlich Musik und sonstige Geräusche leiser gedreht werden und man für einige Augenblicke ein dumpfes Rauschen, oder einen monotonen Ton vernimmt. Sehr minimalistisch und eindrucksvoll!

Bevorzugt sei allen empfohlen den Film im Originalton zu sehen. Hier kann sich die gesamte Finesse von Jokers Worten und auch allen anderen toll geschrieben Gesprächen entfalten. Dennoch kann man den Film auch in deutscher Sprache sehr gut genießen. Den deutschen Synchronsprechern kann man an dieser Stelle einen Lob aussprechen.

Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Nun, zum Glück trifft es im Falle von “TDK” nicht exakt so zu wie in dieser Redewendung. Es gibt außerhalb den bereits genannten Kritikpunkten einige Logiklöcher. Zum Beispiel: Warum gehen Gothams Bürger und Polizisten auf Jokers Aufforderung ein, einen Mann zu töten und damit die Sprengung des Krankenhauses zu verhindern? Oder: Joker sprengt ein Krankenhaus und man fragt sich, wie er wohl so viel Sprengstoff – die Sprengung ist wirklich gewaltig – in ein Krankenhaus befördern konnte, indem es Tag und Nacht gearbeitet wird?
Jeder muss selbst entscheiden inwiefern ihn diese Momente stören, oder nicht.

Der Film ist trotz seiner bereits erwähnten Länge kurzweilig und das Geschehen kann durchaus fesseln. Das Ende hat es wieder einmal in sich und macht Lust auf eine weitere Fortsetzung. Er hat vor allem eine sehr ernste Grundstimmung und ist weniger für Kinder, denn für große Kinder geeignet. Die Macher schrecken nicht davor Charaktere sterben zu lassen und das Gesamtprodukt ist ein Paradebeispiel für einen respektvollen Umgang mit solchen ernsten Vorlagen. Hier hat man auf Qualität statt auf den schnellen Dollar gesetzt, was sich beachtlich auszahlt. Batman bricht einen Boxoffice-Rekord nach dem anderen. Die Kassen klingeln in den Staaten schon mächtig und auf IMDb belegt der Film in der Top-Liste den ersten Platz, was zwar nicht ganz berechtigt ist, aber die Qualität und das positive Echo erahnen lässt. Comicfans werden nicht enttäuscht und kriegen ein Fest der Superlative. Alle anderen werden einen guten Film erleben, einzige Voraussetzung, man bringt den etwas grotesken Figuren und der Vorlage etwas Sympathie und Verständnis entgegen.

Der Film kommt am 21. August zu uns in die Kinos. Viel Spaß beim Anschauen!

Wertung:

Als Batman-Fan kann ich nicht anders als diesem Werk eine 9/10 Wertung zu vergeben. Dieses Actiondrama sollte man keinesfalls verpassen!

Gruß anZen

Diskussion auf Freibrief.net

Written by anZen in: Medien, Rezensionen |
Dez
29
2008
0

Unsinn im StGB – der Gummiparagraph 184c

Die Neufassung des §184c StGB über kinder- und jugendpornographische Schriften sorgte bei seiner Verabschiedung in der Juristenwelt für einiges Aufsehen. Heute ist er bereits geltendes Recht. Aufgrund längerer Downtimes des Freiblogs konnte dieser Artikel aber erst heute online gestellt werden.

§ 184 c [Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornographischer Schriften]

„(1) Wer pornographische Schriften (§ 11 Abs. 3), die sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von vierzehn bis achtzehn Jahren zum Gegenstand haben (jugendpornographische Schriften),
1. verbreitet,
2. öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder
3. herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer es unternimmt, einem anderen den Besitz von jugendpornographischen Schriften zu verschaffen, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben.

(3) In den Fällen des Absatzes 1 oder des Absatzes 2 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat, und die jugendpornographischen Schriften ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben.

(4) Wer es unternimmt, sich den Besitz von jugendpornographischen Schriften zu verschaffen, die ein tatsächliches Geschehen wiedergeben oder wer solche Schriften besitzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Satz 1 ist nicht anzuwenden auf Handlungen von Personen in Bezug auf solche jugendpornographische Schriften, die sie im Alter von unter 18 Jahren mit Einwilligung der dargestellten Personen hergestellt haben.

(5) § 184b Abs. 5 und 6 gilt entsprechend.”

Ein striktes Vorgehen gegen Kinderpornographie ist natürlich wünschenswert und wichtig – aber die sinnlose Kriminalisierung von Pädophilen ist dabei nicht zielführend. Was hat sich geändert im Paragraphen 184c StGB? Es wird jetzt auch der Besitz oder Verkauf von “wirklichkeitsnahen” Schriften (kursiv markiert) bestraft. “Schriften” bestehen nicht nur aus bedrucktem Papier, sondern umfassen auch Bilder und Filmmaterial. Doch was ist mit dem Begriff “wirklichkeitsnah” gemeint? Ab sofort wird nicht nur tatsächliche Kinder- oder Jugendpornographie verfolgt, sondern auch solche, die nur so aussieht. Oder ihr nahe kommt. Gerade die Tatsache, dass “wirklichkeitsnah” nicht genau definiert ist, macht diesen Paragraphen zum Gummiparagraphen.
“Erfasst werden künftig bei den praktisch relevanten Verbreitungshandlungen auch pornographische Darstellungen von allen Personen unter 18 Jahren und zudem auch von so genannten “Scheinminderjährigen”, also sochen Darsteller(innen), die zwar objektiv volljährig sind, aber nach ihrem äußeren Erscheinungsbild als minderjährig eingestuft werden können.”, schreibt Dr. Marc Liesching im Beck-Blog. Weil die Definition aber so schwammig ist, kann es genauso gut sein, dass auch Pornofilme mit erwachsenen Darstellerinnen in Schulmädchenverkleidung verfolgt werden. Außerdem kann man ein 15-jähriges Mädchen mit ein bisschen Schminke heutzutage kaum mehr von einer 25-jährigen Frau unterscheiden. Niemand scheint mehr sicher.

Weshalb geht der Gesetzgeber überhaupt so rigoros gegen kinder- und jugendpornographische Schriften und solche, die ihnen ähneln, vor? Schließlich ist sogar der bloße Besitz von Kinderpornographie strafbar, während z.B. bei “Mein Kampf” nur der Handel verboten ist. Weil Kinder und Jugendliche bei ihrer Herstellung in unzulässiger Weise missbraucht werden. Bei wirklichkeitsnahen Schriften ist dies aber nicht mehr der Fall. Es liegt nahe, dass man in Berlin in etwa dachte: “Macht es denn für einen Konsumenten von kinder- und jugendpornographischen Schriften einen Unterschied, ob er wirklich Minderjährige sieht oder ob diese nur so aussehen, nur so tun? Macht es für mich einen Unterschied, ob meine Schuhe original von Puma sind oder nur gefälscht aus China? Laufen kann ich mit beiden. Das ist in Bezug auf jugendpornographische Schriften eine Sicherheitslücke.”
Damit verfolgt der Gesetzgeber, der sonst gegenüber allen möglichen sexuellen Neigungen so tolerant ist, jedoch nicht mehr den Kindesmissbrauch, sondern die Pädophilen selbst, die sich solche Schriften besorgen, um sich zu befriedigen. Wird ihnen diese Möglichkeit genommen, so entsteht vielleicht ein erhöhtes Risiko, dass diese sich häufiger an echten Kindern vergehen. Da sollte man doch froh sein, dass die Pädophilen lieber auf Scheinminderjährigenpornographie ausweichen. Verbieten kann man ihnen den Trieb schließlich nicht. Sie haben es sich auch nicht ausgesucht, pädophil zu sein.

Zugegebenermaßen birgt solche Scheinminderjährigenpornographie auch das Potential, pädophile Neigungen in Menschen mit solchen Anlagen zu fördern und damit Kinder doch zu gefährden. Allerdings gibt es noch sehr viel mehr Faktoren, die darauf einen Einfluss haben könnten, sodass diesbezüglich (auch mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse) keine abschließende Aussage getroffen werden kann. Al Vergleich könnte man die sog. “Killerspiele” heranziehen: Auch ihre gewaltfördernde Wirkung ist umstritten. Für echte Entgleisungen von Spielern sind meist andere Gründe wie soziale Isolation verantwortlich.

Wie kann man Pädophilen helfen und damit Kinder schützen, ohne solch einen restriktiven Weg einzuschlagen? Durch Medizin und Psychologie. Therapie-Angebote wie Kein Täter werden des Charité Berlin sind äußerst rar gesät. Hier herrscht dringender Nachholbedarf. Schließlich kommen auch Drogenabhängige wegen ihres Rauschmittelmissbrauchs nicht (gleich) ins Gefängnis, sondern in eine Entzugsklinik. Nur dort kann ihnen wirklich geholfen werden.

Wir haben hier also einen zutiefst konservativen Paragraphen vor uns, der an sich unschuldige Pädophile kriminalisiert und somit nur die Symptome, aber nicht die Ursachen bekämpft. Stattdessen müssen auch “ganz normale” Menschen Angst haben, verfolgt zu werden, da die Grenze zur Scheinminderjährigkeit nicht objektiv feststellbar ist. Damit schießen die kürzlich vorgenommenen Änderungen am Ziel vorbei und sind absolut sinnlos.

Diskussion auf Freibrief.net
Den Thread hat frechBengel eröffnet; dieser Artikel wurde aber von Tequila verfasst.
Er wurde mehrere Male geändert und überarbeitet, zuletzt am 23.01.09.

Nov
13
2008
0

SWR 2 – ein Radiosender, der Reich-Ranicki gefallen könnte.

Wir alle haben vom Eklat um Marcel Reich-Ranicki gehört, der kürzlich das sinkende Niveau im deutschen Fernsehen beklagte. Er forderte unter anderem Shakespeare statt Sendungen wie “DSDS” oder “Sex-Report” als Abendunterhaltung (kein indirektes Zitat!). Dabei argumentiert er aber an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei, die nach einem langen Arbeitstag einfach keine Lust mehr auf hochanspruchsvolle Werke haben.

Ich selbst schaue einfach nicht fern, wenn das Programm nicht meinem Geschmack entspricht, aber ich höre, wenn ich Auto fahre, immer Radio. Was mich an den hier in Baden-Württemberg empfangbaren Radiosendern wie Energy, Radio Ton oder Antenne1 gestört hat, war weniger die Qualität der Musik. Es war mehr die häufige Werbung und die endlosen Wiederholungen eines Liedes, wenn denn jemand mal bemerkt hat, dass das Lied beliebt ist. So hingen mir Lieder, die ich am Anfang eigentlich toll fand, bald zum Halse heraus. Also durchsuchte ich die Radiofrequenzen nach Alternativen. In Sekundenschnelle war mir klar, dass SWR 4 (sendet Schlager und Volksmusik) nichts für mich ist und in den nächsten 50 Jahren auch nicht sein wird. Positiv überrascht hat mich jedoch SWR 2, ein völlig werbefreier öffentlich-rechtlicher Radiosender. Er hat sogar ein festes Programm, das man bereits Tage zuvor im Internet abrufen kann. Auf der Seite gibt es rechts einen Link, der zum Webradio führt, sodass jeder, der diesen Beitrag liest, in den Genuss kommen kann.

SWR 2 ist recht unkonventionell und besticht durch ein hohes Niveau und interessante Inhalte: Gesendet werden Musik, Podiumsdiskussionen, Sprachbeiträge, Interviews, Nachrichten, Hörbücher und Hörspiele. Die Musik ist Geschmackssache. Es wird kaum das gesendet, was in den Charts steht. SWR 2 ist keine Konkurrenz zu diesen Radiosendern. Obwohl auch manchmal recht aktuelle Lieder kommen, wird viel Klassik, Jazz und andere ungewöhnliche Musik gesendet. Was mich begeistert, ist, dass man viele Stücke sonst kaum zu hören bekommt. Das klassische Repertoire umfasst Standardwerke von Mozart bis Tschaikowsky, aber auch eher unbekannte und verhältnismäßig selten aufgeführte Komponisten wie Michail Glinka, Gabriel Fauré oder Luigi Cherubini. Vor einigen Wochen kam – in interessante Erklärungen eingebettet – ein Programm zu südamerikanischer Musik. Die Musik Südamerikas wird hierzulande kaum beachtet, bietet aber eine beachtliche Vielfalt: So gibt es laut Sprecher eine Region in Südamerika, wo die Einheimischen die Marimbas der afrikanischen Sklaven in ihr Kulturgut übernommen haben und sie zum Musizieren benutzen. Natürlich folgte daraufhin ein exemplarisches (aber in voller Länge abgespieltes) Stück, wo man die Marimbas deutlich hören konnte. Andernorts spielte jemand virtuos auf einem der Tuba ähnlichen Blasinstrument, das in Europa schon längst aus der Mode gekommen ist. Auch in die Musik von Spanien, China und dem “fruchtbaren Halbmond” (Syrien, Israel, Jordanien, Libanon, Ägypten) habe ich schon erklingen hören. So etwas hilft ungemein, den eigenen Horizont zu erweitern und etwas von der Vielfalt unserer Welt, in der wir leben, zu erkennen, dem Alltag zu entfliehen.

Darüber hinaus werden regelmäßig Teile von Hörbüchern (30 min.) gesendet (also das gesamte Buch in vielen Folgen). Zuletzt hatte Jane Austen die Ehre. Zur Abendunterhaltung werden oft Hörspiele gesendet, die man als Zuschauer auch teilweise mit auswählen kann. Bei den Hörspielen handelt es sich nicht um Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, sondern um knallharte Krimis. Gute Unterhaltung, wenn man z.B. abends lange Strecken fahren muss und schlecht fernsehen kann.

Die Sprachbeiträge sind verschiedener Art. Sie beinhalten sowohl natur- als auch geisteswissenschaftliche Themen. So gab es während der allgemeinen Diskussion um möglicherweise auftretende schwarze Löcher ein langes Interview mit einem Forscher/Experten (Name entfallen) über den LHC. Oder eines über Schach und Pädagogik mit Schach. Einen Beitrag über Zahlen und ein Interview mit einem Künstler über die Thematik seines neuesten Werkes. Diskussionen über Philosophie und Anthropologie. Zuletzt kam:

“Medienheld und Bösewicht –
Welches Bild haben wir vom Dieb?
Es diskutieren:
Prof. Dr. Uwe Danker, Historiker, Universität Flensburg
Prof. Dr. Michael Walter, Kriminologe, Universität Köln
Steffen Kopetzky, Schriftsteller, Pfaffenhofen an der Ilm
Moderation: Carsten Otte”

Es erwies sich, dass unser Bild vom Dieb doch sehr ambivalent ist. Beispiele waren sowohl historische (Schinderhannes), als auch literarische Personen. Auch allgemeine Phänomene “Wir nicken verständnisvoll mit dem Kopf, wenn uns [Prominenter] erzählt, dass er in seiner Kindheit gestohlen hat, um Geld für einen Kinobesuch zu bekommen” oder der massenhafte Diebstahl von Handtüchern aus Hotels spielen eine Rolle, besonders wenn wir uns eingestehen, das wir das gar nicht so lustig finden, wenn wir selbst die Geschädigten sind. Welche Projektionsfläche bieten literarische Diebe? Warum stehlen Menschen? Interessante Fragen, die uns mehr über uns selbst lehren.

SWR 2 bietet aber auch “einfachere” Sendungen wie z.B. den SWR 2 Dschungel (siehe die zwei Links). Der Dschungel besteht aus Reportagen, die an junge Leute gerichtet sind.

Ein Nachteil von SWR 2 ist allerdings, dass die Musik für Menschen, die anders als ich nicht alles hören, nicht dem Geschmack entsprechen könnte und dass es in einem gewissen Maße anstrengend ist, den Sprachbeiträgen zuzuhören. Man muss sich konzentrieren und tatsächlich mitdenken, den Inhalt aufnehmen. Herrscht Lärm, muss man sich auf starken Verkehr konzentrieren oder möchte man sich mit dem Beifahrer unterhalten, kann es recht schnell vorkommen, dass man etwas verpasst. Das ist bei den Diskussionen nicht so tragisch, aber bei Hörbüchern und Hörspielen. Deshalb bleibe ich, wenn ich müde bin und mich einfach nur berieseln lassen möchte, doch bei Energy oder SWR 3.

Fazit: Ich kann SWR 2 nur empfehlen. Der Sender ist ein echtes “Bildungsradio”, dem wahrscheinlich sogar Marcel Reich-Ranicki sein Wohlwollen schenken würde.

EDIT: Leider sind die Links irgendwie verschwunden. Bis ich sie wieder reinmachen kann, einfach über Google suchen.

Written by Tequila in: Medien | Tags:, , , , , ,
Nov
08
2008
0

Marcel Reich-Ranicki und die Fernsehkultur der Nichtprimitiven

Die interessierte Fernsehnation steht Kopf! Marcel Reich-Ranicki inzeniert im Fernsehen medienwirksam eine Fernsehkritik bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, indem er während der Verleihung den Eklat erklärt: “Ich nehme diesen Preis nicht an!” Und plötzlich tritt das Thema Fernsehkritik aus dem Underground von Fernsehkritik.tv und ähnlichem heraus und steht in der breiten Öffentlichkeit der Fernsehnation. Mit dem Eklat aber nicht genug. Thomas Gottschalk bot Marcel Reich-Ranicki an, mit ihm über die Qualität des Fernsehens in selbigem zu diskutieren. Am 17. Oktober strahlte das ZDF die Sendung “Aus gegebenem Anlaß” um 22:30 h aus.

Den Auftritt von Reich-Ranicki beim Fernsehrpeis fand ich gelungen. Er wirkte wie ein kleiner alter Mann, dem keiner mehr was anhaben kann. Frech und medienwirksam brach er so die Form der Preisverleihung auf und sprach dabei offenbar vielen Menschen aus der Seele. Dieser Auftritt gefiel mir. – Anders werte ich die Diskussion mit Thomas Gottschalk. Hier geschah, was ich nie für möglich gehalten hätte: Gottschalk war besser als Reich-Ranicki. Ich fand Gottschalk zwar nicht grandios, aber wie man so schön sagt: “besser als erwartet”.

Gottschalk konnte nicht darauf verzeichten, den Versuch zu unternehmen, witzig zu sein; hatte aber zugleich differenzierte Argumente und eine eigene Meinung, die man einem Clown so nicht zugetraut hätte. Reich-Ranicki jedoch disqualifizierte sich mit mit einer dogmatischen Einstellung für die Kultur. Shakespeare als Unterhaltungsprogramm zu präsentieren finde ich völlig fern einer möglichen Fernsehrealität. Auch arrogant erscheint mir das Bild, das Reich-Ranicki vom Fernsehzuschauer hat: Er teilt die Zuschauer, so Reich-Ranicki wörtlich, in “die gebildeten und [...] die primitiveren Menschen” ein.

Ich denke, daß besonders im Bild vom Fernsehpublikum diese Unterscheidung sehr weitgehend akzeptiert ist und sich zugleich mit dieser kategorischen Unterscheidung vieles von dem begründet, was am Fernsehen kritisiert wird. Ich glaube nicht, daß es die gebildeten und die dummen Menschen gibt. Diejenigen, die als “dumm” präsentiert werden, haben nur oft kein Abitur, kein Studium und daher auch nicht den Hintergrund, sich den besser gemachten Sendungen zu nähern. Was soll denn jemand noch sagen, wenn er diesess Gespräch zwischen Reich-Ranicki und Gottschalk verfolgt und dort ohne Umschweife zu den “primitiveren Menschen” gezählt wird? – Mich jedenfalls wundert es da nicht, daß er direkt zu RTL schaltet und sich denkt, daß er den “intellektuellen Scheiß” nicht versteht, daß er ihn nicht braucht, nicht will und froh ist, daß ein intellektuelles Fernsehen ihm nicht jeden Abend nach der Arbeit erklärt, daß er dumm und primitiv ist.

Natürlich wird diese Einstellung nicht in jeder Sendung so direkt ausgeprochen. Aber ich kann mir wohl verstehen, daß viele allein das intellektuelle Flair, das sich Sendungen des Bildungsbürgertums geben, schon abschreckt. Ich meine hiermit sowohl die Form, die Sendeplätze als auch die Sender. Heiner Meier, 25, Heizunginstallateur schaltet den Fernseher ein und zappt durch oder schaut in der TV-Zeitung, was im Fernsehen kommt. Bei Arte wird er da nicht landen. Arte hat sicher ein gutes Programm, aber allein das Image des Senders wird schon viele abschrecken.

Wenn ich mir vorstelle, daß anstelle von Brisant in der ARD (also gleicher Sender, gleiche Sendezeit) die Arte-Sendung “Mit offnen Karten” gezeigt würde; dann wäre die Hemmung, es anzuschauen deutlich geringer. Ich phantasiere von Gertud Hiller, 45, Hausfrau. Sie schaltet zum Bügeln wie gewohnt den Fernseher ein, um wie gewohnt Brisant zu gucken. Aber es kommt “Mit offenen Karten”. Sie wird sich sicher wundern, aber doch nicht gleich abschalten. Unter dem Aufmacher “Mit Landkarten die Welt ganz anschaulich erklärt” wird sie zuhören und verstehen, was ihr erklärt wurde. Warum sollte ihr das nicht gefallen?

Diskussion auf Freibrief.net

Written by frechBengel in: Gesellschaft, Medien |

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