Apr
29
2009
0

Thomas Mann: Der Zauberberg – Entwurf und Inhalt

Dieser Artikel ist der Beginn einer Serie interpretatorischen Charakters über Thomas Manns “Zauberberg”. Das Buch bietet nicht viel Action; auch wenn man einen Liebesroman lesen möchte, ist man hier falsch. Trotzdem ist der Roman sehr empfehlenswert und für Mann-Fans ein Muss. Der Roman hat stark dazu beigetragen, dass dem Autor schließlich der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde. Der “Zauberberg” ist ein Bildungsroman. Er heißt nicht nur so, er bildet wirklich, bietet Einblick in die anschaulich beschriebene Welt Thomas Manns und in die Tiefen der Philosophie, aber auch der Medizin und Musik. Ein Buch, das man zweimal gelesen haben muss.

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Mrz
19
2009
0

Das Naturrecht in “Michael Kohlhaas”

“Michael Kohlhaas” von Heinrich von Kleist ist neben “Die Räuber” von Friedrich Schiller und Kafkas “Proceß” ein Sternchenthemen im Abitur 2009 (BW). In den beiden Büchern rebellieren die Protagonisten gegen die bestehende Ordnung. Sie sehen sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und berufen sich auf ein “Naturrecht”.
Anmerkung: Für die Richtigkeit des Inhalts der Artikel in diesem Blog kann nicht garantiert werden. Der Leser/die Leserin sollte die Interpretationsansätze stets selbst überprüfen. Zugrunde liegt Reclam (ISBN 978-3-15-000218-6)

Thomas Hobbes’ Leviathan-Theorie:

Der englische Philosoph Thomas Hobbes ist hauptsächlich durch sein staatstheoretisches Werk Leviathan bekannt geworden. Nach Hobbes leben am Anfang alle Menschen in einem Urzustand oder Naturzustand, einer Anarchie, in der ein “Krieg aller gegen alle” herrscht. Es gilt das Recht des Stärkeren. Jeder darf seine Fähigkeiten beliebig gebrauchen. Natürlich hat jeder die unveräußerlichen Grundrechte auf sein Leben und seinen Besitz, die er stets verteidigen muss.
Da auf diese Weise keine sinnvolle Lebensgestaltung möglich ist, gibt jeder Mensch seine Gewalt, seine Souveränität an einen höheren Souverän (z.B. König, aber auch demokratischer Staatsaufbau) ab, die seine Grundrechte dann verteidigt. Der neu geschaffene Staat hat ein Gewaltmonopol. Das Leben und der Besitz des Bürgers wird von der Polizei und dem Rechtsstaat vor Übergriffen geschützt.
Schafft es der Staat jedoch nicht, diese Grundrechte zu gewährleisten, so ist der Mensch wieder in den Urzustand zurückversetzt. Er hat die Vollmacht, sich selbst zu verteidigen. Dies ist z.B. der Fall, wenn jemand angegriffen wird, die Polizei aber zu spät kommt.

Michael Kohlhaas:

Michael Kohlhaas, der Rosshändler, wird von Junker Wenzel von Tronka schändlich betrogen. Rechtschaffen, wie er ist, versucht er zuerst, sein Recht (Wiederherstellung der zwei gepfändeten Rappen und Schadensersatz für seinen Knecht Herse) auf dem Rechtswege durchzusetzen. Unglücklicherweise werden seine Briefe von Verwandten des Junkers unterschlagen. Da der Rechtsstaat damit faktisch außer Kraft gesetzt wurde, sieht sich Kohlhaas in den Hobbes’schen Naturzustand zurückversetzt und sinnt auf Selbstjustiz: Er wird Räuber und Mörder; er sucht von Tronka, um ihn zu richten und um sein Recht von den Machthabern gewaltsam einzufordern. Die Kurfürsten lassen sich darauf nicht ein: Sie müssen den mordenden Kohlhaas fassen, um ihre Macht zu erhalten. (”Wer ist der Herr im Haus?”) Aus einer Fehdesituation zwischen Kohlhaas und von Tronka wird so ein Krieg gegen das gesamte System. Jedoch muss man Kohlhaas Egoismus attestieren: Es geht ihm in der Gesamtheit nicht um das System an sich, sondern nur um die Durchsetzung seines eigenen Rechtsfalles. Er ist kein Revolutionär, sondern er nutzt nur alle Mittel, sein Recht zu bekommen.

Die Kohlhaasischen Mandate und das Gespräch mit Luther:

Im ersten Mandat, das er verteilt, fordert Kohlhaas jeden auf, ihm zu helfen, da er mit dem Junker in einem “gerechten Krieg” lebe (vgl. S. 31, Z. 17). Im Laufe der Zeit radikalisieren sich die Mandate jedoch. Kohlhaas erhöht sich selbst bis zu einem “Statthalter Michaels, des Erzengels, der gekommen sei, [...] die Arglist, in welcher die ganze Welt versunken sei, zu bestrafen.” (S. 39, Z. 17-20) Was vorher noch eine Fehde war, wird nun zum Krieg gegen die Allgemeinheit.
In einem Mandat argumentiert Kohlhaas ganz klar mit dem Naturrecht: Er nennt sich “einen Reichs- und Weltfreien, Gott allein unterworfenen Herrn”. (S. 33, Z. 29f.)

Auf diese Provokationen hin schaltet sich Martin Luther ein, den Kohlhaas verehrt. In einem Brief geißelt er Kohlhaasens Gewalt als “Ungerechtigkeit”; sie sei kein verhältnismäßiges Mittel zur Erlangung der Gerechtigkeit. Er wirft Kohlhaas außerdem vor, auf dem Rechtswege zu früh aufgegeben zu haben: Der Kurfürst, seine Obrigkeit, gegen den der Rosskamm seinen Krieg führt, wisse gar nichts von Kohlhaas und seinem Rechtsstreit. Insgesamt verurteilt Luther Kohlhaasens Vorgehen aufs Schärfste. (vgl. S. 40f.)
Der Rosskamm möchte sich rechtfertigen und sucht Luther deshalb auf. Auf die Frage Luthers, wer ihm denn das Recht gegeben hätte, den Junker in Verfolgung eigenmächtiger Rechtsschlüsse zu überfallen. (vgl. S. 43, Z. 36-S. 44, Z. 3) Kohlhaas antwortet richtig: Niemand. Er versucht sich aber zu rechtfertigen: “Der Krieg, den ich mit der Gemeinheit der Menschen führe, ist eine Missetat, sobald ich aus ihr nicht, wie Ihr mir die Versicherung gegeben habt, verstoßen war! [...] Verstoßen nenne ich den, dem der Schutz der Gesetze versagt ist! Denn dieses Schutzes, zum Gedeihen meines friedlichen Gewerbes, bedarf ich; ja, er ist es, dessenhalb ich mich, mit dem Kreis dessen, was ich erworben, in diese Gemeinschaft flüchte; und wer mir ihn versagt, der stößt mich zu den Wilden der Einöde hinaus; er gibt mir, wie wollt Ihr das leugnen, die Keule, die mich selbst schützt, in die Hand.” (S. 44, Z. 5-21) Auch hier argumentiert Kohlhaas wieder eindeutig mit dem Naturrecht: Wie Robinson Crusoe auf seiner Insel gestrandet ist, wurde der Rosskamm aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen, befindet sich nun außerhalb des Staates und ist bereit, seine Rechte selbst zu verteidigen. Luther hält es jedoch für unmöglich, dass jemand aus der Gemeinschaft verstoßen werden kann. Er beharrt auch auf seinem alten Standpunkt, dass den Kurfürsten keine Schuld treffe, da er nichts von der Klage wisse. Sein einziges Vergehen sei die Wahl solch schlechter Diener, die Briefe unterschlagen. Dafür dürfe ihn aber nur Gott zur Rechenschaft ziehen; einem Menschen stehe dies nicht zu. Damit argumentiert Luther mit dem mittelalterlichen Gottesgnadentum, nach dem Fürsten und Könige von Gott selbst eingesetzt worden seien. Ein Angriff gegen den Kurfürsten sei daher ein direkter Angriff gegen Gott.

Daraufhin bietet Kohlhaas an, es noch einmal auf dem Rechtswege zu versuchen, um seine beinahe lächerlich niedrigen Forderungen einzuklagen. Luther antwortet: “[...] schau her, was du forderst, wenn anders die Umstände so sind, wie die öffentliche Stimme hören läßt, ist gerecht; und hättest du den Streit, bevor du eigenmächtig zur Selbstrache geschritten, zu des Landesherrn Entscheidung zu bringen gewußt, so wäre dir deine Forderung, zweifle ich nicht, Punkt vor Punkt bewilligt worden. Doch hättest du nicht, alles wohl erwogen, besser getan, du hättest, um deines Erlösers willen, dem Junker vergeben, die Rappen, dürre und abgehärmt, wie sie waren, bei der Hand genommen, dich aufgesetzt, und zur Dickfütterung in deinen Stall nach Kohlhaasenbrück heimgeritten? ” (S. 45, Z. 35-S. 46, Z. 9)
Nach Luther wäre Kohlhaas in jedem Fall im Recht gewesen, wenn er keine Gewalt angewandt hätte. Diese Gewalt macht Kohlhaas aber nicht zu einem rechtschaffenden, sondern vor allem zu einem entsetzlichen Menschen (vgl. S. 3, Z. 3f.). Deshalb verneint er die Möglichkeit der Absolution Kohlhaasens gegenüber seinem Heiland. Trotzdem verschafft er Kohlhaas Amnestie und die Hoffnung, seine Forderungen doch noch durchzusetzen. Damit hat er Kohlhaas nicht nur geholfen, sondern vielmehr auch das Morden gestoppt. Diese Einstellung trifft sich mit der des historischen Luther, der auch dem historischen Hans Kohlhase den Rat gab, sich seinen Frust doch zu „verbeißen“ und von der Gewalt abzulassen: „Unrecht wird durch ander Unrecht nicht zurecht bracht. […] Was ihr mit Recht ausführen moget, da tut ihr wohl; könnt ihr das Recht nicht erlangen, so ist kein anderer Rat da, denn Unrecht leiden.“
Luther ist ein Vertreter des Rechtspositivismus und damit der aufklärerischen Naturrechtslehre (Anachronismus!) entgegengesetzt.

Diskussion auf Freibrief.net

Feb
02
2009
0

Lebenspoesie – Die Weisheit mit Löffeln gefressen?

-
Töne sollen zu Bildern werden,
Bilder zu Melodien.
Dann sind wir alle,
alle ein.
Denn wir sind Farben Melodien
-

-
Ich habe nur die Poesie
mit Herz und mit Verstand,
und ihr,
ihr habt die Hand dazu,
nun tragt die Nachricht über `s Land!-

Ich könnte ewig Reime reimen,
unendlich,
ja sogar.
Doch immer ewig Reime reimen,
das wär´ja sonderbar.

So möcht´ auch ich einmal vergeh´n, in eine and´re Welt,
um da mit klarem Herz zu sehen,
was da die Welt
zusammen
hält.
-

-
Lasst die Gedanken kreisen, ja kreisen, ganz und gar,
ja was die Wissenschaft nur sucht,
sind Kreise, Wunderbar!
-
Ich habe ihn gefunden,
den einen,
großen ganzen,
doch weiß ich´s auch nicht so genau,
es werden immer Pflanzen.
-
Pflanzen sind wie lebende Bilder
und sie enden nie,
sind ewig und unendlich,
sie sind wie Peosie.
-
So sind die Pflanzen Worte,
wie die,
der ganzen Welt,
Die Pflanzen sind das Wort
was diese Welt erhellt-

Sie werden und vergehen nicht,
wie diese große Welt.
unendlich und auch ewig
Die Worte dieser
Welt.
-
Das Leben ist unendlich,
Das Leben endet nie,
so ist das Leben ewig,
es ist wie
Peosie.
-

-
Keine Zahl mehr macht mir Angst,
Keine Zahl ist mehr zu klein,
Denn alle Zahlen
dieser Welt,
sind in einem ein:
-
Keine Zahl ist größer/kleiner
als die Welt,
denn wenn `s die kleinste Zahl
nicht gäbe
gäb´es keine Welt.
-
Auch wenn so manche Zahl
ja gar kein Ende kennt,
hat jeder der die Welt versteht,
ihr die Unendlichkeit geschenkt.
denn jeder der die Zahl verstand
sagt: endlich ewig,
hat doch nichts Bestand.
-
So ist es die Unendlichkeit
die unsere Welt erhellt,
So bringt uns die Unendlichkeit
die Schönheit in die Welt.
-

(Kleiner Hinweis: “erhellt” kommt öfter vor, Doppeldeutigkeit auch im Sinne von erhalten; Die Pflanzen stehen für alle Lebewesen.)

-
Die Unendlichkeit,

wonach sie selber immer strebt,
es ist doch unbegreiflich,
die Unendlichkeit sie lebt,
sogar sehr begreiflich.
-
Denn was noch nie vergangen,
doch für immer lebt,
es kann nur immer größer werden,
so wie es eben strebt.
-
Die Ewigkeit stellt hier die Frage
die Unendlichkeit belebt,
dann kommt die Antwort
schnell zu Tage,
so wie es eben strebt.
-
Und mit jeder neuen Antwort
kommt etwas hinzu,
so kann es immer größer werden.
Hörst du mir noch zu?
-
Ich dacht´es wäre gut zu fragen,
dann kommt die Antwort schnell zu Tag.
Denn ohne Fragen fragen dir niemand Antwort sagt.
-
So gibt es nur Verstand im Sein,
aus Ewig- und Unendlichkeit,
und es ist das große Leben
das diese Zwei in sich
vereint.
-
Denn nur das eine große Leben
kann sich sicher sein zu sein,
denn in ihm gibt es gleich beide streben,
zum alles und zum kein.
-
So hat denn jedes große Leben,
den Schlüssel zur Unendlichkeit
wenn wir nur mit Liebe streben,
sind wir bald zu zweit,
vereint.
-
Und nun kann in uns´rer Mitte
etwas größeres entstehn
und wir nennen es das Dritte
Wie das geht?
Wird man schon sehen.
-
Nun sollt der Mensch,
allein,
Mit Herzen und Verstand,
in beidem fest,
vereinet sein.
Dann hat die Welt Bestand.
-

-
Die bewusste Ewigkeit,
nur ständig Fragen fragt,
die Unendlichkeit,
nur nach der Antwort jagt.
-
Sie kommen dann zur
Einheit,
Und aus der festen Frage-Antwort,
wird dann ein kleiner neuer Standort,
für die Unendlich- und die Ewigkeit.
-
Sehr viele mal in sich
vereint,
mit Frag´und Wort,
In Unendlichkeit und ewig erscheint dann,
uns´rer Weltenort.
-
wo man gut wohnen kann.
-
Und einmal schon vor langer Zeit,
da fragte sich die Ewigkeit.
Wie bin ich eigentlich?
Allein zu zweit?
Wie viele gibt es nun von mir?
Bin ich denn
alleine
hier
?
-

-
Die Unendlichkeit stieg auf zu Tage,
um wie `s ihr Ding ist,
nun im Lichte,
nach der Antwort jage.
-
So war es denn,
in unserer Welten-Zeit.
Nun Lichtlein brenn,
das kleine Leben steht bereit.
-
Nun konnt es wachsen,
immer weiter.
siebenmal auf einer Leiter,
doch der achte Schritt,
dann gehts nicht weiter,
kommt doch gleich
`ne neue Leiter.
-
Doch die Ewig- und Unendlichkeit
sind ewig nur allein zu zweit,
verbunden
durch die ewige Getrenntheit.
-
Und so suchen sie,
für immer und für jetzt,
mal von Vergänglichkeit gehetzt
und mal in ewige Unendlichkeit versetzt.
-
Und das lange Band
was sie verbindet,
umso mehr Bewusstsein findet,
je größer `s Leben ist
um das sich `s windet.
-

Written by ensman in: Kunst |

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