Jan
23
2009
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Die neue Hessen-Wahl – Eigentlich irrational

Am Sonntag hat Hessen wieder gewählt. Das Ergebnis war zu erwarten, ist aber bei näherer Betrachtung eigentlich sonderbar, ja geradezu irrational. Hier noch einmal die Ergebnisse.

Die Linke hat stagniert und eigentlich genauso abgeschnitten wie in der vorherigen Wahl. Nur wenige Ex-SPD-Wähler sind zur Linken abgewandert. Das Gros wählte stattdessen die Grünen, die ein kräftiges Plus verzeichnen konnten und mächtig vom Chaos in der Hessen-SPD profitierten. Allerdings blieben auch viele daheim: Die Wahlbeteiligung nahm auf ca. 61% ab.

Insgesamt verlor die SPD wie erwartet extrem und konnte nur noch 23,7% der Stimmen einfahren (vorher 36,7% / – 13%). Das war die natürliche Folge auf den “Wortbruch” Andrea Ypsilantis und auf ihr Versagen beim Versuch, Ministerpräsidentin zu werden. Dass Politiker ihre Versprechen oft nicht halten, sind die Bürger mittlerweile schon fast gewohnt, aber eine Partei, die erwiesenermaßen nicht regierungsfähig ist, wählt keiner. Traurig ist nur, dass das schlechte Ergebnis der SPD nicht an ihrem Programm liegt. Da Millionen Leute ihre politische Meinung innerhalb eines Jahres normalerweise nicht grundlegend ändern, liegt die Zustimmung zu den Zielen der SPD wohl immer noch bei 36,7%. Der herbe Stimmverlust ist also alleine auf den Streit innerhalb der SPD und die große Enttäuschung der Wähler zurückzuführen.

Als Reaktion auf das schlechte Ergebnis trat Andrea Ypsilanti von ihren Ämtern zurück. Dieser Rücktritt war ebenfalls abzusehen, kam aber zu spät: Wäre sie bereits nach ihrer mißlungenen Regierungsbildung zurückgetreten, so hätte sie dem neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel einen echten Neuanfang ermöglichen können. Dass sie das nicht getan hat, war im Wahlkampf für “TSG” eine Behinderung. Das Image einer Marionette konnte der vorher völlig unbekannte Landespolitiker nie ganz abschütteln. Sich weiter zu profilieren, wird seine Aufgabe für die nächsten fünf Jahre sein.

Trotz allem konnte die CDU davon nicht profitieren. Prozentual legte sie nur um 0,4% zu. Es reichte, um Ministerpräsident Roland Koch zusammen mit der FDP die Mehrheit zu sichern, worüber er sich zu Recht freuen konnte. Trotzdem kann dieser vermeintliche Wahlsieg nicht darüber hinwegtäuschen, dass Koch weiterhin sehr unpopulär ist. Bezieht man die geringere Wahlbeteiligung mit ein und betrachtet man die Wahlergebnisse in absoluten Zahlen, so haben sogar weniger Menschen ihre Stimme der CDU gegeben als vorher. Aus dem von Generalsekretär Pofalla propagierten Wahlsieg wird so bei genauerer Betrachtung eine Niederlage. Nicht gegenüber der SPD, aber gegenüber dem Wähler.

Der große Wahlsieger hieß FDP mit 16,2% (vorher: 9,4% / +6,8%). Sie hatte zwar keine besonderen programmatischen Eckpunkte, aber sie schaffte es, die Stimmen für das bürgerliche Lager bei sich zu bündeln. Wechselwähler, die aufgrund ihrer Enttäuschung über die SPD nun wieder CDU hätten wählen können, wichen auf die FDP aus. Auch eine Art, dem Ministerpräsidenten einen Denkzettel zu verpassen. Die FDP ist in der Koalition und auch im Bundesrat zu einem Machtfaktor geworden und wird im November bei Beibehaltung ihrer Wahlkampftaktik vielleicht die ehemals von FDP-Chef Guido Westerwelle angepeilten 18% erreichen können. In Hessen wohlgemerkt. Wie zuvor bei der SPD ist aber auch hier ganz klar sichtbar, dass nicht nach programmatischen Gesichtspunkten entschieden wurde – eigentlich irrational. Schließlich stellen diese Leute die nächste Regierung. Gerade die FDP steht hierzulande für Neoliberalismus, Turbokapitalismus, die Finanzkrise (man könnte die Liste ewig fortführen). Eine so liberale Politik wie von der FDP gefordert hat überhaupt erst die Krise verursacht. Die Philosophie wurde durch die Realität widerlegt. Eigentlich sollte man denken, dass die Wähler solch eine Partei zumindest während der Finanzkrise nicht mehr wählen – aber falsch gedacht. Wie schon gesagt: Eigentlich ist das Wahlverhalten der Hessen zutiefst irrational.

Anscheindend werden die Bürger in der Krise konservativ und wählen lieber Sicherheit anstatt soziale Gerechtigkeit. Besonders, wenn die Verfechter der Gerechtigkeit keine Sicherheit bieten können. In fünf Jahren wird Hessen wieder wählen. Dann wird die Finanzkrise vorüber sein, und vielleicht hat sich sogar die SPD geordnet. Dann wird sich herausstellen, ob das Ergebnis von letzter Woche (Januar 2009) ein historisch einmaliges Ereignis war oder der Anfang einer neuen Ära.

Diskussion auf Freibrief.net

Written by Tequila in: Gesellschaft, Politik | Tags:, , , , , , ,
Jan
21
2009
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Mirror’s Edge – Im Höhenrausch

Seit dem 16.01.2009 ist es nun auch endlich für den Heimcomputer erhältlich, Mirror’s Edge! Neugierig wie ich war, stürzte ich natürlich sofort in den Elektronikmarkt meines Vertrauens um -wie sich rausstellen wird- ein Abenteuer der ganz besonderen Art zu erleben.

Mirror’s Edge? Was ist das denn?

Im Grunde ist eben genanntes Spiel im Jump&Run-Genre einzuordnen. Doch wer denkt, man laufe in Mario-Manier durch die Levels und hüpfe auf sich bewegende Pilze, ist falsch gewickelt. Vielmehr geht es darum, die Trendsportart “Parkour” nachzuspielen. Ihr mimt Faith, eine sogenannte Kurierin. Auf Grund der totalen Überwachung einer fiktiven und sterilen  Stadt ist es den Menschen nicht mehr möglich, unbeobachtet Nachrichten über Telefon oder Post zu übermitteln. Hier kommt ihr ins Spiel. Als Runner sollt ihr schnell und zuverlässig Informationen überbringen. Ganz leicht, möchte man meinen, wäre da nicht die Exekutive, die eure Botengänge gar nicht gerne sieht. Eines Tages wird Faiths Schwester eines Mordes bezichtigt, den es aufzuklären gilt. Da die offene Straße zu gefährlich ist, schwingt ihr euch lieber in Ego-Perspektive über die Häuserdächer der 3D-Welt.  Klingt spannend, ist es auch!

Kann das denn gut gehen?

Es kann. Und wie! Ihr steuert euer Alter Ego klassisch mit den WASD-Tasten, schaut euch mit der Maus um und springt mit dem länglichen Klotz in der untersten Reihe der Tastatur geschickt über Hindernisse. Auch restliche Feinheiten wurden sehr geschickt belegt und ermöglichen somit einen schönen Spielfluss.

Uuuund Action!

Natürlich verspricht das Spiel vor allem eins: Adrenalingeladene Verfolgungsjagden! Und von diesen gibt es mehr als genug. Fast ständig seid ihr auf der Flucht vor der Polizei. Am besten gar nicht auf eine Konfrontation einlassen, klar, wer steht schon gerne schwerbewaffneten Männern gegenüber? Also ab durch die Mitte, über tiefe Häuserschluchten,  hohe Zäune, durch enge Hochhaus-Etagen und Baustellen. Wann immer ihr ein Objekt seht, mit dem ihr interagieren könnt, färbt sich jenes tiefrot. Ein gut getimeter Druck auf die Leertaste und ihr segelt elegant durch die Lüfte, um euch im nächsten Moment grazil abzurollen, nur Fliegen ist schöner. Doch keine Zeit für Verschnaufpausen, die Kugeln zischen schon wieder dicht an euch vorbei. Sollte alles nichts nützen und ihr müsst euch in den Nahkampf begeben, hilft euch ein sehr schön gestaltetes, innovatives und einsteigerfreundliches Kampfsystem. Natürlich kann es sein, dass es einem trotzdem zu schnell geht. Kein Problem, ein Knopfdruck und alles läuft in Zeitlupe ab, schöne Idee, wird aber nur selten benötigt. An sich bietet das Spiel eine klasse Atmosphäre, die sich auch in den Comic-Zwischensequenzen, mit der die Handlung kontinuierlich vorangetrieben wird, zeigt.

Hier gibt es was auf die Augen…

Von der ersten Spielminute an bietet Mirror’s Edge einen WOW-Effekt. Die Programmierer benutzten die Unreal3-Engine um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Die Fernsicht ist einfach grandios. Ebenfalls positiv fällt der Überstrahleffekt (auch als HDR bekannt) auf, der die Areale gut in Szene setzt. Auch sonst ist alles mit Liebe für’s Detail gestaltet worden, Gläser und Flaggen z.B. werden physikalisch korrekt von Projektilen getroffen, nichts, was das Spiel ungemein besser macht, nett anzusehen ist es trotzdem. Die Charaktere besitzen schöne Animationen und alles wirkt sehr durchdacht. Respekt!

…und Ohren!

Besonders zu erwähnen ist die Soundkulisse, die sich perfekt mit der Spielsituation arrangiert. Nach einem Dauerspurt hört man Feith heftig atmen, die ausführende Gewalt schreit sich während der Verfolgung Anweisungen zu, auf den Dächern hört man ca. 100 Meter unter sich Autos vorbeifahren, die Musik pulsiert im Hintergrund, treibt zu Höchstleistungen an und selbst banalste Dinge wie das Abrollen der Protagonistin wurden exzellent vertont.

Wo Licht ist…

Wie nicht anders zu erwarten, ist auch bei Mirror’s Edge nicht alles in Butter. Zum einen wäre da die sehr kurze Spieldauer, zum anderen wiederholen sich Spielelemente von Zeit zu Zeit. Die deutschen Synchronstimmen sind ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei und auch zu Bemängeln ist, dass sich wahre Herausforderungen eher in Grenzen halten.

Allgemeine Systemvoraussetzungen

Tolle Grafik hat ihren Preis, bei Mirror’s Edge hält sich dieser jedoch ziemlich in Grenzen. Wichtig für den vollen Genuss wäre eine 512 MB Grafikkarte mit Shader Model 3.0 und ein recht guter Arbeitsspeicher. Soweit ich es mitbekommen habe, wird die CPU weniger beansprucht.

System: Windows XP / Vista
Minimal: Optimal:
CPU: 2400 MHz 3000 MHz
RAM: 1024 MB 2048 MB
empf. Grafik: 3D Grafikkarte mit min. 256 MB RAM, besser 512 MB RAM
Sound: DirectX kompatible Soundkarte
HDD: 8 GB freier Festplattenspeicher
Laufwerk: DVD-ROM

Fazit

Mir persönlich gefällt Mirror’s Edge außerordentlich gut, wenn mir die Spieldauer auch ein wenig zu kurz war. Jeder, der nur irgendetwas mit dem Begriff “Parkour” anfangen kann, sollte sich dieses Spiel auf keinen Fall entgehen lassen!

9/10 Punkten

Diskussion auf Freibrief.net

Written by James_Much in: Rezensionen |
Jan
12
2009
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John Le Carré – “Marionetten (A most wanted man)” – Rezension


Angeregt von einem spannend klingenden Rückentext habe ich mir vor zwei Wochen “A Most Wanted Man” (Deutsch: Marionetten) von John le Carre gekauft. Diesen Text möchte ich euch nicht vorenthalten, vor allem, weil ich mich später noch explizit auf ihn beziehen werde.

Praise for The Mission Song
‘REQUIRED READING FOR EVERYBODY
The Sidney Morning Herald

A half-starved young Russian man in a long black overcoat is smuggled into Hamburg at dead of night. He has an improbable amount of cash secreted in a purse round his neck. he is a devout Muslim. Or is he? He says his name is Issa.

Annabel, an idealistic Gyoung German civil rights lawyer, determines to save Issa from deportation. Soon her client’s survival becomes more important to her than her own career. In pursuit of Issa’s mysterious past, she confronts the incongruous Tommy Brue, a sizty-year-old scion of Brue Freres, a failing British bak based in Hamburg.

A triangle of impossible love is born.

Meanwhile, scenting a sure kill in the so-called War on Terror, the spies of three nations converge upon the innocents.

Poignant, compassionate, peopled with characters the reader never wants to let go, A Most Wanted man is alive with humour, yet prickles with tension until the last heart-stopping page. It is also a work of deep humanity, an uncommon relevance in our times.

In der deutschen Ausgabe mag der Text anders klingen, doch da ich diese nicht habe, kann ich das nicht sagen. Im folgenden werde ich mich durchweg einzig auf die englische Ausgabe beziehen!

Der Author war mir fast gaenzlich unbekannt, lediglich von dem Buch “Der Spion, der aus der Kaelte kam” habe ich schon einmal etwas gehoert, gelesen habe ich es allerdings nicht. Der Kauf war somit fast ein Blind-Kauf, ich kannte das Buch nicht, habe keine Empfehlungen gehoert, nur der Rückentext schien vielversprechend zu sein. Meine Erwartungen waren also nicht unglaublich hoch, ich freute mich auf einen spannenden, unterhaltsamen und vor allem facettenreichen Thriller mit einer großartigen Story.

Handlung:

Aus einem tuerkischen Gefaengnis geflohen und illegal nach Deutschland eingereist sucht ein tschtschenischer Moslem Zuflucht bei einer muslimischen Familie in Hamburg. Am Anfang erscheint er dieser, Melik und seiner Mutter Leyla, als armer, halbverhungerter und etwas verwirrter Mensch, fuer den Melik kaum Sympathien aufbringen kann. Doch je mehr sie von ihm erfahren, desto mehr gibt dies Melik zu denken. Sein richtiger Name ist Issa, seine “Reise” konnte er finanzieren, da er einen Geldbeutel um den Hals hatte, der voll mit amerikanischen Dollar-Noten ist. Von der Tuerkei aus ist er durch mehrere Bestechung per Schiff erst nach Skandinavien und anschliessend nach Deutschland gekommen. Doch warum gerade Hamburg? Issa ist davon ueberzeugt, dass ihm nur von Tommy Brue, dem Direktor einer britischen Bank in Hamburg, geholfen werden kann. Auch Annabel Richter, eine junge Anwaeltin der Sanctuary North, einer Organisation, die Immigranten hilft, sich in Deutschland einzuleben, wird in den Fall miteinbezogen, indem sie Issas Interessen als seine Anwaeltin vertritt. Doch sowohl Tommy Brue als auch Annabel Richter, nicht zu erwaehnen natuerlich Issa, Melik und Leyla, bewegen sich in viel groesserer Gefahr als sie anfaenglich denken. Denn die Geheimdienste verschiedener Staaten halten Issa fuer einen islamistischen Terroristen. Somit sind ihnen der amerikanische, britische und deutsche Geheimdienst auf den Fersen. Doch das haelt die Protagonisten nicht davon ab, Issa (aus von Person zu Person verschiedenen Gruenden) zu beschuetzen und vor der Deportation zu bewahren, auch wenn sie damit ihre eigene Karriere und Anerkennung in starke Gefahr bringen.

Meine Meinung:

Der Anfang des Buches liest sich sehr schnell und fluessig und ich habe mich gefreut, das Buch gekauft zu haben. Als Leser befindet man sich erstmal in Meliks Perspektive und teilt seine Gedanken und Gefuehle. Man steht Issa noch etwas skeptisch gegenueber, was vor allem durch seine Erscheinung zu begruenden ist. Doch je mehr ueber ihn bekannt wird, desto mehr mag man ihm glauben und bemitleidet ihn fuer die Folter, die er in seiner Gefangenschaft erdulden musste. Doch das zweite Kapitel unterbricht diesen Lesefluss massiv, da es direkt zu Tommy Brue springt, ueber den man bisher noch kein Wort gehoert hat. Das Tempo wird also etwas gebremst und die Geschichte komplexer. Doch die Linien finden zusammen und ueber Annabel Richter kann Issa nun auch mit Tommy Brue kommunizieren und seine Anliegen vorbringen. Auch hier hat mir das Buch noch relativ gut gefallen, doch es flacht langsam ab, das anfaengliche Tempo ist raus und das Buch schleppt sich ueber den Mittelteil etwas hin.

Hier werden vor allem sehr viele Geheimdienst-Mitarbeiter verschiedener Laender vorgestellt, doch das war es auch schon. Nur Guenther Bachmann wird genauer beleuchtet, alle anderen zwar hin und wieder erwaehnt, aber sie bleiben blass. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte: Die Figuren werden zu wenig beleuchtet, es wird zu wenig mit ihnen gemacht. Annabel soll eine junge, attraktive aufstrebende Anwaeltin mit festen Vorstellungen sein, die fuer die Menschen(-rechte) kaempft. Doch dabei bleibt es auch schon. Sie hat im Prinzip kein Privatleben, keine Freunde, sie scheint durchweg mit ihrer Arbeit beschaeftigt zu sein. Das steht fuer mich etwas in Kontrast zu ihren Attributen jung und attraktiv. Auch wird die Gefahr, in der sie durch ihre Arbeit ist, bei weitem nicht ausreichend beschrieben. Man muss nur einmal bedenken, dass sie einem tschtschenischen Moslem hilft, der als islamistischer Terrorist auf den Fahndungslisten des Interpols steht. Das heisst fer Annabel, dass sie, sollte es herauskommen, ihren Job verliert und zusaetlich harte Strafen erdulden muss, da sie einen potentiell aeusserst gefaehrlichen Terroristen beschuetzt. Doch von ihren Arbeitgebern bekommt man nichts miy, das darauf hindeuten koennte. Auch Familie und Freunde werden weitestgehend ausser acht gelassen, was Annabel fuer mich als etwas unrealistisch erscheinen laesst.

Tommy Brue gefaellt mir als Charakter wesentlich besser. Er ist ein reicher britischer Banker, der etwas muede vom taeglichen Arbeitsleben ist und ein kaputtes Privatleben hat. Seine erste Ehe ist geschieden und seine zweite sieht auch nicht sehr rosig aus. Und doch ist er entschlossen, Issa zu helfen, wenn auch nur, um somit alle “Lippizaner” loszuwerden.

Der Werdegang Issas ist auch interessant zu beobachten. Am Anfang konnte ich mich mit ihm noch nicht ganz anfreunden, dieses Misstrauen hat sich erst im spaeten Mittelteil weitestgehend gelegt. Er ist die einzige Person, die eine bedeutende Wandlung in diesem Buch durchmacht. Am Anfang ist er veraengstigt und etwas duester, doch sehr gottesfuerchtig. Diese Gottesfuerchtigkeit behaelt er auch bis zur letzten Seite bei, mir schien es manchmal, als sei das das einzige, was ihn am Leben halte. Mit der Zeit wird er aber immer selbstbewusster, auch wenn er immer noch sehr vielen Menschen misstraut. Ich bin mir immer noch nicht klar, ob er sich des Ausmasses seiner Gefahr wirklich bewusst ist, oder ob er das Gefaegnis als einzige Gefahr sieht. Er bleibt das ganze Buch ueber ziemlich zugeknoepft und legt sein Schicksal in Allahs Haende. Sehr oft hat er mich an Sonny, den Roboter aus I Robot (mit Will Smith, sehr guter Film :)) erinnert. Es ist schwer zu erklaeren, warum; ich schaetze, es waren seine Aussagen, die Art wie und was er gesprochen hat. Wenn ihr den Film gesehen habt, wisst ihr hoffentlich, was ich meine, denn ich finde es sehr schwer in Worte zu fassen.

So gut der Anfang auch war, der Grossteil des Buches konnte mich nicht fesseln. Die Geschichte geht langsam voran, man wird mit Namen von blassen Geheimdienstmitarbeitern regelrecht bombadiert, die man sich schwer merken kann, da es so viel sind, die sich nicht gross voneinander unterscheiden. Sie sind nicht essentiell wichtig, aber dennoch ist es teilweise schwer, den Sinn zu verstehen, wenn man nicht weiss, zu welchem Geheimdienst jemand nun gehoert und wie sein persoenliches Verhaeltnis zu den beteiligten Personen ist. So schleppte ich mich von Seite zu Seite, obwohl sehr wenig passierte. Doch bald waren die letzten 20 Seiten erreicht, da habe ich mich gefreut. Auf den letzten 10 Seiten wurde es dann endlich nochmal spannend, es kamen Action und unerwartete Wendungen hinein. Dieses Bisschen hat mich wirklich gefesselt. Doch es waren wie gesagt leider nur die letzten 10 Seiten. Im Grossteil des Buches passiert einfach zu wenig und der Schreibstil ist sehr langsam und trocken, wodurch es sich sher lange hinzuziehen scheint.

Das Ende laesst dann leider 99% der Fragen offen, was ich sehr schade finde. Zwar regt es stark zu denken an, aber man kann die Geschichte schlecht selber weiter erzaehlen. Es ist ploetzlich, schnell und wenig informativ, sodass es den Leser unbefriedigt das Buch zuklappen laesst.

Den Mittelteil haette man meiner Meinung nach stark kuerzen koennen, dafuer waere die Geschichte mit Beantwortung dieser Fragen ordentlich zu Ende gebraacht worden. So steht fuer mich nur fest, dass John le Carre definitiv kein USA-Fan ist, er kritisiert mit diesem Buch unsere Gesellschaft, aber vor allem die Regierungen der westlichen Laendern und deren Geheimdienste.

Womit ich auch schon bei der Relevanz zu unserer heutigen Zeit waere. Das Buch ist natuerlich nicht nur eine Geschichte, soe hat auch eine Botschaft. Hier wird ganz klar gezeigt, wie die Geheimdienste der westlichen Staaten eher als Feinde denn als Freunde agieren, jeder kocht sein eigenes Sueppchen und will dabei die Suppe des anderen versalzen. Auch sagt der Author, dass viel zu viele Unschuldige wegen Scheingruenden einfach so festgenommen und eingesperrt werden, einfach, um sagen zu koennen, man habe mal wieder einen Terroristen geschnappt. Aus dieser Sicht betrachtet ist das Buch auch wirklich gut, denn diese Botschaft ist leider wahr und gut ruebergebracht.

Jetzt moechte ich nochmal auf den Buchrueckentext zurueckkommen. Dieser hat mich dazu verleitet, das Buch zu kaufen, doch jetzt, nachdem ich es gelesen habe, sehe ich ihn voller Halb- und Unwahrheiten.

Erstmal finde ich es sehr komisch, dass auf einem Buch Werbung fuer ein anderes Buch gemacht wird, auch wenn es vom gleichen Author stammt. Aber gut, das ist meine persoenliche Meinung und kann wohl jeder selbst entscheiden.


Jetzt aber zu der eigentlichen Beschreibung:

“Ein halbverhungerter junger Russe in einem langen schwarzen Mantel wird in der Schwaerze der Nacht nach Hamburg geschmuggelt.”
–> Klingt toll, davon kriegt man aber leider nichts mit. Das hätte man sehr schoen verwerten können, diese Möglichkeit hat le Carré aber leider ausgelassen.

“Bald ist ihr [Annabel] das Überleben ihres Klienten wichtiger als ihre Karriere.”
–> Auch heraus haette man ein schoenes Drama machen koennen, diese Gefahr wird aber ueberhaupt nicht beschrieben. Leider. Es waere ungleich spannender, wenn Annabel auch darum kaempfen muss, ihren Job zu behalten, bzw. ihn verliert und anschliessend wieder bekommen will.

“Ein Dreieck unmöglicher Liebe ist entstanden.”
–> Tommy liebt Annabel, Annabel fuehlt sich sowohl zu Tommy als auch zu Issa hingezogen, bei Issa bin ich mir unklar. Allerdings ist diese Geschichte noch nicht mal eine Nebenstory, das haette man auch stark erweitern koennen.

“Bevölkert mit Personen, die der Leser nie verlieren will”

–> Da die Personen leider unzureichend beschrieben sind, konnte ich mich nicht wirklich mit ihnen identifizieren. Es wird einfach zu wenig über sie ausgesagt, als dass ich sie “nie verlieren” moechte. Eine Ausnahme könnte da Tommy Brue bilden.

“Marionetten lebt mit Humor …”
–> Kein einziges Mal musste ich in diesem Buch laecheln oder schmunzeln, von lachen gar nicht zu reden. Gaehnen war viel oefter an der Tagesordnung.

“…[Fortsetzung vom letzten zitierten Satz], knistert aber vor Spannung bis zur letzten atemberaubenden Seite.”
–> Wenn man das nur auf die letzten 10 Seiten bezieht, stimmt es, ansonsten ist es Schwachsinn.

“Es ist außerdem ein Werk tiefer Menschlichkeit und einer ungewoehnlichen Relevanz zu unserer heutigen Zeit.”

–> Hier hat er Recht, das ist ein absoluter Pluspunkt!

Fazit

Das Thema ist sehr interessant, allerdings ist es das Buch dank des Schreibstils und vieler ausgelassener Moeglichkeiten leider nicht. Ueber lange Strecken ist es langweilig und trocken, sodass ich es teilweise fast weggelegt haette. Es wurde viel zu viel Potential verschenkt, Moeglichkeiten, es sehr spannend gestalten, gab es naemlich genug.

Deswegen meine Wertung: 4/10 Sternen

Danke an Hannibal für diese Rezension.

Jan
10
2009
0

“Watership Down” – Lektüreempfehlung

wdra

Das Buch handelt von einer Kaninchengruppe, die von ihrem Anführer Hazel aus ihrem Gehege geführt wird um eine gefährliche Reise in eine ungewisse Zukunft anzutreten. Es kommt zu dramatischen Begegnungen mit Füchsen, Menschen und anderen Kaninchen. Dabei bleibt das Buch nie das Kinderbuch, da viele vermutlich aufgrund der Kaninchen als Protagonisten erwarten würden. Zentrale Themen des Buches sind Macht(-missbrauch), Umweltzerstörung, Unterdrückung und Autorität. Die verschiedenen Kaninchengehege, auf die die Kaninchengruppe trifft sind in verschiedenen Gesellschaftssystemen organisiert, was zu Konflikten und völlig unterschiedlichen Verhaltensweisen der Kaninchenstämme führt. Der Autor schafft es, der Geschichte Emotionen zu verschaffen, ohne das Ganze in einem Studel von Kitsch untergehen zu lassen. Die verschiedenen Kaninchen werden charakterlich sehr präzise gezeichnet, wodurch die Interaktionen in der Gruppe und gegenüber anderen Kaninchen eine enorme Spannung aufbauen. Der Buch wurde damals auch aufgrund seiner exakten Ortsbeschreibungen bekannt. Der Autor versetzte die Handlung des Buches in das Gebiet, in dem er aufwuchs. Jeder beschriebene Ort, ob Farm oder Fluss existiert bzw. existierte während der Kindheit des Verfassers tatsächlich.
Das Buch wurde oft mit Orwells Farm der Tiere verglichen und als politische Botschaft oder gar Parabel bewertet, was der Autor jedoch mehrfach abstritt. Dennoch ist das Buch aufgrund der genannten Punkte weit mehr als ein Abenteuerroman für Kinder.
Der Roman wurde als Zeichentrickfilm verfilmt. Ich habe ihn noch nicht gesehen, doch wird er meist sehr positiv bewertet. Allerdings ist die Romanhandlung verkürzt, die Geschichten der “Kaninchenmytholgie” die die Kaninchen sich gegenseitig erzählen, entfallen beispielsweise.
Beim Erscheinen des Filmes gab es eine Diskussion, ob dieser Film für Kinder geeignet wäre (er erhielt eine FSK 6 Einstufung), oder ob die teils drastischen Szenen Kinder verstören könnten. Ich werde mir den Film bald einmal anschauen, dann kann ich hier ja ergänzen, ob er mir gefallen hat.

Wertung: 9/10

Written by opd in: Medien | Tags:,
Jan
10
2009
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“In eisige Höhen” – Lektüreempfehlung

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Der amerikanische Autor schloss sich 1996 der Expedition des Bergführers Rob Hall an, das Ziel der Expedition: Die Besteigung des 8849 Meter hohen Mount Everests.
Zeitgleich mit Halls Expedition befand sich auch die Gruppe um den Bergführer Scott Fisher am Everest. Beide Expeditionen hatten eines gemeinsam; sie waren kommerzielle Expeditionen, bei denen die Berführer für hohe Summen (ca. 65.000 $/Person) Kunden auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt führen sollten.
Im Gegensatz zu den Everest erfahrenen Bergführern der Expeditionen waren viele Teilnehmer das Höhenbergsteigen nicht gewohnt, sondern konnten höchstens Erfahrungen aus den Alpen vorweisen. Die Aufgabe der Expeditionsführer war es nun, mit vielen Sherpas und einer ununterbrochenen Versorgung mit Sauerstoffflaschen für ihre Kunden auch mittelmäßigen Bergsteigern das Erlebnis einer Eversestbesteigung bieten zu können.
Schon im Basislager wird Krakauer aufgund der offenbar fehlenden Erfahrung der Kunden skeptisch. Die Bergführer geben am Gipfeltag die Uhrzeit von 14:00 als letztmöglichen Umkehrpunkt an, da ansonsten die Gefahr unkalkulierbar würde.
Aufgrund der schieren Menschenmasse am Berg, logistischer Fehler und dem mangelhaften körperlichen Zustand einiger Kunden verzögert sich der Aufstieg teils um Stunden. Sherpas müssen die unerfahrenen Bergsteiger fast den berg hochziehen, oder werden mit sehr schweren Satallitentelefonen belastet, damit eine amerikanische Hobbybergsteigerin vom Gipfel telefonieren kann. Durch diese überflüssigen Kraftanstrengungen werden diesen Menschen später die Kräfte fehlen, um anderen in Lebensgefahr schwebenden Expeditionsteilnehmern zur Hilfe zu kommen.
Auch die erfahrenen Bergsteiger Hall und Fisher ignorieren ihre selbst gesetzten Umkehrzeiten, um auch den letzten Kunden auf den Gipfel zu helfen. Als 2 Stunden nach der Umkehrzeit noch Menschen auf dem Gipfel sind zieht ein Schneesturm mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und Temperaturen von bis zu -75 Grad auf. Die Sichtweite sinkt auf wenige Meter und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Krakauer stieg als einer der ersten vom Gipfel ab und schildert, wen er auf seinem Weg zum sicheren Lager trifft, in welchem Zustand die ihm noch entgegenkommenden Bergsteiger waren und wie versucht wird, den im Schneesturm Umherirrenden versucht wird zu helfen. Durch diesen “Augenzeugenbericht” eines Betroffenden gestaltet sich das Buch sehr bewegend. Krakauer schildert nicht einfach nur die Tragödie; er erklärt wie es dazu kommen konnte, dass in dieser Nacht mehr Menschen am Everest starben als je zuvor. Er hinterfragt den neu aufkommenden Kommerz des Höhenbergsteigens, ohne einseitige Schuldzuweisungen auszusprechen. Trotz des Schicksals der Expeditionsteilnehmer entsteht beim Leser ein Eindruck von der Faszination Everest.

Aufgrund des Hintergrundes dieses Tatsachenberichts verbietet sich meiner Meinung nach eine Wertung. Empfohlen sei es aber allemal.

Written by opd in: Medien | Tags:,
Jan
10
2009
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“Iovialis – Geständnisse eines Terroristen” – Lektüreempfehlung

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Ich möchte euch gerne auf ein Buch und damit einen Menschen aufmerksam machen, das ich vor längerer Zeit mal las und seitdem immer mal wieder gelesen habe.

Iovialis – Geständnisse eines Terroristen

Es geht im Grunde genommen um Jörg Drescher, der einen authentischen Gegenwartsroman schrieb, indem er über sich selbst berichtete.
Jörg berichtet in dem Buch immer wieder aus verschiedenen Zeiten. Der Sachverhalt ist etwas kompliziert, da es die Gegenwart gibt, in der das Buch geschrieben wurde (Ort: Kiew), dann eine zweite Zeit, die etwas länger zurück liegt und die in der Gegenwart endet (ebenfalls in Kiew) und dann die eigentliche Geschichte des Buches, das Leben Jörgs als Jugendlicher in Deutschland.

Hier eine grobe Zusammenfassung:
Jörg lebte in einer zerrütteten Familie, seine Mutter wurde von seinem Vater vergewaltigt und gequält, was letztendlich zum Auszug Jörgs führte. Er rutschte ab ins Drogenmillieu, lebte bei Freunden, konnte die Schule nicht mehr ordentlich abschließen, war aber simultan ein politisch interessierter junger Mann, der sich informierte und einige unstimmigkeiten fand, die ihn sehr ärgerten. So versuchte er diese Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, schrieb an Politiker, redete mit Professoren, las viele schlaue Bücher, doch alles half nichts.
Die Welt wurde nicht besser und bald folgten die ersten Bombendrohungen Jörgs. Zwischenzeitlich versuchte er, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, kam in psychatrische Behandlungen, hatte Rückfälle und immer und immer wieder ärgerte er sich über Unstimmigkeiten im Grundgesetz. Wieder versuchte er, die Politik zu ändern, er war allerdings zu diesem Zeitpunkt schwer Drogensüchtig, er litt an Wahnvorstellungen.
Er kam zu dem Entschluss, dass Bombendrohungen allein nicht ausreichten, beriet sich mit einem Bekannten und plante den Bau einer Bombe. Das Material besorgte er sich, baute die Bombe, ließ allerdings den Zünder weg. Tatsächlich deponierte er die Bombe in einem Schließfach eines Bahnhofes und verständigte mehrere Zeitungen. Allerdings war er vom Drogenkonsum dermaßen mitgenommen, dass er das nicht anonym tat, sondern so, dass Rückschlüsse auf ihn zu ziehen waren. Die Zeitungen leiteten die Drohung ans BKA weiter, dieses stand sehr schnell bei Jörg vor der Tür.

Vom weiteren Verlauf möchte ich nicht viel erzählen, vielleicht noch soviel, dass es um den Bau einer schmutzigen Bombe geht (Radioaktives Material wird mit Sprengstoff verteilt, der Schaden ist gering, der Effekt sehr groß).

Was mich an der Geschichte sehr fasziniert ist, dass das alles zu einer Zeit geschah, die noch nicht so lange her ist. Es geht um die RAF-Morde, es geht um die mysteriösen Todesfälle von inhaftierten RAF-Mitgliedern, aber auch darum, dass Schröder aus Verfassungswidrigen Gründen die Vertrauensfrage stellte. Die Handlung spielt quasi mitunter in einer Zeit, an die ich mich noch sehr gut erinnern kann, dennoch kann man eine völlig andere Sicht der Dinge erleben, von Tatsachen lesen, die man vorher nicht kannte.
Neben der Erzählung fließt sehr viel geschichtliches Wissen mit ein, belegt durch Quellenangaben.

Tatsächlich ist Jörg Drescher der erste Terrorist, dessen Beweggründe ich nachvollziehen konnte und der mir komischerweise sympatisch ist. Das soll nicht heißen, dass ich Bombendrohungen und Terror gutheiße, gerade deshalb hat mich diese Geschichte ziemlich verwirrt.

Es ist ein meiner Meinung nach recht wertvolles Buch, da es authentisch berichtet und den Lebensweg eines Terroristen darlegt. Auch ist es durchaus spannend geschrieben, auch wenn es teilweise sehr verwirrend ist. Ich habe noch kein anderes Buch gefunden, was sich damit vergleichen ließe (was jetzt ohne Wertung gemeint ist).

Diskussion auf Freibrief.net

Written by wemaflo in: Medien, Recht & Gesetz | Tags:,
Jan
05
2009
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Schokoladensahnetorte

Diese Torte geht nicht so schnell wie vieles andere, was hier bereits beschrieben wurde, macht jedoch nicht viel Aufwand und ist besonders für Feiertage sehr gut.

Zutaten für die Sahne:

  • 3 Becher (250ml) Sahne
  • 3 Tafeln Zartbitterschokolade (100g)

Zubereitung der Sahne:

Sahne erhitzen, nicht kochen, zerbrochene Schokolade langsam darin schmelzen lassen (vorsicht, dass nichts anbrennt).
Die Schokoladensahne für mehrere Stunden (oder eine durchzechte Nacht) in den Kühlschrank stellen.

Zutaten für den Tortenboden:

  • 4 Eiweiß
  • 4 EL kaltes Wasser
  • 160g Zucker
  • 4 Eigelb
  • 100g Mehl
  • 100g Speisestärke
  • 2TL Backpulver

Zubereitung des Tortenbodens:

Eiweiß und kaltes Wasser zusammen steif schlagen. Zucker unter Rühren einrieseln lassen. Eigelb einzeln unterrühren.
Mehl, Speisestärke und Backpulver vermischen, vorsichtig in die Eimasse unterheben.

Den Teig in eine Springform geben (26cm) und im vorgeheizten Backofen bei 160°C 20-25 Minuten backen.
Auskühlen lassen und horizontal durchteilen (hierbei nimmt der Student zum Beispiel Nähgarn, welches um den Boden gelegt wird und diesen bei dezentem Zug zerschneidet).

Die Schokoladensahne aus dem Kühlschrank nehmen (ihr erinnert euch?) und mit dem Handrührgerät steif schlagen. Dann 2/3 der Sahne zwischen die Böden füllen, mit dem Rest die Torte von außen bestreichen.

Mit Zuckerglasur z.B. eine Bierflasche auf die Torte malen.

Danach empfiehlt es sich, die Torte im Magen oder im Kühlschrank zu lagern.

Guten Appetit!

(Danke an wemaflo für diese leckere Torte für nicht-kalorienbewusste Genießer!)

Written by Tequila in: Rezepte | Tags:, , , ,
Jan
05
2009
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Cous Cous mit “was auch immer ihr gerade für Gemüse daheim habt…”

(Zeit: ca. 20 min)

Zutaten:

  • Cous Cous (Gries aus Hartweizen, hat seine Wurzeln soweit ich weiß im Orient -gibt’s in Packungen zu ca. 500g entweder in den meisten Supermärkten oder beim Türken!)
  • dazu entweder

  • A) 1 Packung passierte Tomaten oder
  • B) Tomatenmark oder
  • C) in paar frische Paprika und C.1)Tomaten oder C.2) Tomatenmark
    und alles an Gemüse, was ihr gerade so zu greifen kriegt; Karotten, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Pilze, Mais, was ihr halt gerade so im Schrank habt (ja manches davon ist vielleicht nicht wirklich Gemüse ich weiß…)

  • Frische Kräuter falls vorhanden

für Variante C) benutzt man am besten einen (Stab-)Mixer

Zubereitung:
Ihr setzt Salzwasser auf (Tipp: Wasserkocher!) und kocht den Cous Cous bis er zwar aufgegangen, aber noch körnig und nicht klebrig ist.
Während das Wasser kocht, schneidet ihr das Gemüse klein und fangt damit an, kleingeschnittene Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne mit Olivenöl anzubraten.
Wenn die Zwiebeln glasig sind gebt ihr die “festeren” Gemüsearten wie z.B. Karotten hinzu und lasst diese ebenfalls anbraten/”anschwitzen” – achtet aber darauf die Pfanne auf keinen Fall zu heiß zu machen, wir wollen ja keine Friteuse…
Kurz darauf gebt ihr das übrige Gemüse hinzu.

Je nachdem, welche der drei Varianten ihr wählt, gibt es nun verschiedenes zu tun:

A ) Ihr gebt, wenn alles Gemüse einigermaßen “durch” ist, die passierten Tomaten hinzu und lasst die Tomatensauce mit dem Gemüse warmwerden und das Gemüse darin ruhig noch etwas kochen.

B ) Ihr vermengt das Tomatenmark mit Wasser, bis eine flüssige Tomatensauce entsteht, die in ihrer Konsistenz etwa passierten Tomaten gleichen sollte und geht mit dieser Sauce dann so vor wie schon in Fall A ).

C ) Für diese Variante müsst ihr 1-2 Paprika kleinschneiden und in einen Topf geben. Jetzt gebt ihr so viel Wasser hinzu, dass die Paprika komplett bedeckt sind. Nun müsst ihr die Paprika ca. 5-10 min kochen bis sie schön weich sind.
Jetzt gießt ihr das Wasser ab und zerkleinert die Paprika mit dem Mixer zu einer Sauce.

C.1 ) Jetzt gebt ihr etwa 1 1/2 El Tomatenmark zu der Paprikasauce hinzu und vermengt es mit dieser.
C.2 ) Ihr gebt 1-3 ganze Tomaten in einen Topf und lasst sie mit Wasser bedeckt ca. 5 min kochen. Wenn ihr mit einer Gabel auf die Tomaten stecht und die Haut aufplatzt, könnt ihr sie dem Topf entnehmen (Wasser abgießen) und vorsichtig (Achtung heiß!) die Haut der Tomaten abziehen. Jetzt kommt wieder der Mixer zum Einsatz mit dem ihr eine Tomatensauce erstellt, die ihr mit der Paprikasauce vermengt.
In beiden Fällen dann so vorgehen wie in Fall A ).

Ganz wichtig: dann mit Salz und Pfeffer und anderen Gewürzen (ich gebe meistens noch Oregano, Paprikapulver [süß und/oder scharf] und Kräuter der Provence hinzu) das Gemüse in der (Paprika-)Tomatensauce abschmecken.
Falls vorhanden frische Kräuter à la Basilikum oder Petersilie kleinhacken und am Ende dem Gemüse in der Sauce hinzugeben.

Den fertig gekochten Cous Cous gebt ihr am besten in ein Tuch und lasst ihn kurz abtropfen, dann einige Löffel davon auf den Teller und Gemüsemischung daneben.
Zuletzt evtl. noch mit etwas Basilikum, Petersilie garnieren.

Guten Appetit!

(thx 2 Grubenruben!)

Written by Tequila in: Rezepte | Tags:, ,
Jan
05
2009
0

Nudeln mit Pinienkernsauce

(für 2-3 Personen. Zeit: 15-20 Minuten)

Zutaten

  • 500g Pasta nach Wahl
  • ca. 200g Pinienkerne (Einkaufstipp: Das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat bei uns der lokale türkische Markt!)
  • 1 Bund frische (!) Petersilie (Auch hier ist der Türke unschlagbar im Preis!)
  • 2-4 Knoblauchzehen (Je nachdem wie sehr ihr stinken wollt, außerdem Geschmackssache…)
  • ca. 7 EL Olivenöl
  • ca. 5 EL Nudelwasser
  • 1 Prise Salz

Zubereitung

Ihr setzt Nudelwasser auf in das ihr Salz und Öl (da scheiden sich die Geister) gebt und kocht die Nudeln bis sie al dente (bissfest) sind.
(Tipp: Wenn ihr einen Wasserkocher besitzt, erst das Wasser in selbigem Erhitzen und dann in den Kochtopf geben, geht schneller und spart Energie! ;))

Während die Pasta kocht, nehmt ihr euch die Petersilie vor.
Kurz unter kaltem, sanft fließendem Wasser abspülen und anschließend die Stiele abtrennen.
Die Petersilie schön kleinhacken (evtl. etwas Petersilie zum garnieren übrig lassen ) und zusammen mit den Pinienkernen, dem Öl und ca. 5 EL Nudelwasser in einen Mixer geben.
(Wenn ihr wie ich nur einen Stabmixer besitzt, gebt die Zutaten in eine möglichst hohe Schüssel und seit darauf gefasst, dass ihr gleich einer Reihe von umherfliegenden Pinienkernsplittern ausweichen müsst…)
Den Knoblauch mit einer Knoblauchpresse ebenfalls hinzugeben.

Nach 1-2 Minuten solltet ihr eine schöne gleichmäßige Pinienkernsauce haben.
(Sieht zwar nach viel zu wenig aus, aber ein halber EL pro Teller kann schon genügen, da die Sauce sehr Geschmacksintensiv ist…).
Die fertigen Nudeln in ein Nudelsieb geben und abtropfen lassen.
(ich schrecke in der Regel nicht ab, aber auch da gibt es geteilte Meinungen…)

Anschließend Nudeln mit einem Kleks Pinienkernsauce und etwas Petersilie servieren.
Guten Appetit!

Noch zwei Tipps:
1. Ein paar der Pinienkerne abzweigen, in der Pfanne kurz rösten und später über die Nudeln streuen, das gibt dem Essen die besondere Note!
2. Dazu etwas Fladenbrot servieren (gibt’s auch beim Türken und der ist eh viel cooler als Rewe und Co. ;)).

Ein leckeres Gericht von Grubenruben! Danke dafür.

Written by Tequila in: Rezepte | Tags:, ,
Jan
05
2009
0

The Dark Knight – Filmrezension

the_dark_knight06

Letzte Woche war es soweit, ich bin zu einer Pressevorführung von “The Dark Knight” eingeladen worden und konnte mir gute drei Wochen vor dem offiziellen Deutschland-Release den zweiten Teil des neuen Batman-Franchise ansehen. Es ist übrigens der erste Batmanfilm, der im Titel auf den Namen Batman verzichtet und als eine klare Anlehnung an Frank Millers düstere Batmanwelt zu verstehen ist.

Seit “Batman Begins” zählte ich die Tage bis irgendetwas Neues zum bevorstehenden Batman-Sequel im Internet erscheint. Christopher Nolans (Regisseur von “Batman Begins” und “TDK”) reifere und düstere Interpretation von Batman überzeugte und begeisterte mich seit 2005 mehr als die in die Jahre gekommene, aber immer noch wunderbar anzusehenden Vision des Altmeisters Tim Burton. Von der absurden, überzeichneten und homoerotischen Vorstellungen eines Batmanuniversums des Regisseurs Joel Schumachers, verliere ich am besten kein Sterbenswörtchen. Nur soviel: seine beiden Filme “Batman Forever” und “Batman & Robin” waren sehr imageschädigend für das Franchise des Fledermausmannes und hinterlassen heute noch schockierte Blicke und schüttelnde Köpfe bei echten Fans.
Es vergingen ganze zehn Jahre bis Batman reanimiert werden konnte und die Leinwand zurückeroberte. Eine wichtige und gute Entscheidung war es Batman und seiner Umwelt einen realistischeren Anstrich zu verpassen und Gotham City, der fiktiven Stadt in der Batman für Recht und Ordnung kämpft, düster, hart und fernab von jeglichem Klamauk und Cartoonstil der vergangen Tage zu entwerfen. Die alten Fans danken den derzeitigen Verantwortlichen für diesen Entschluss, den Batman-Stoff im Sinne der finsteren Vorlagen von Frank Miller (”Batman: Year One”; “Batman: The Dark Knight Returns”; “Batman: The Dark Knight Strikes Again”), Alan Moore (”The killing Joke”) und Jeph Loeb & Tim Sale (”Batman: The long Halloween”) zu gestalten und Batmans wahren Geist filmisch umzusetzen.

Der Tag war gekommen. Mein Kollege und ich wurden vor dem Eingang zum Kino ordentlich durchsucht, bekamen ein paar Freigetränke und konnten uns dann in einem sehr großen Kinosaal nach Belieben freie Plätze für die kommenden 152 Minuten aussuchen. Der Saal war gut gefüllt und man spürte die Unruhe der zahlreich angereisten Fans, die Vorfreude in den Gesprächen und eine allgemein gute Stimmung im Saal.
Das Licht ging aus, die Geräuschkulisse verstummte und die leblose Leinwand begann plötzlich Farbe anzunehmen. Das Kinoereignis des Jahres 2008 hatte für mich begonnen.

Handlung:

Gotham City erlebt wieder eine neue Welle des Terrors. Ein mysteriöser Krimineller namens Joker treibt sein Unwesen in der Stadt. Dieser raubt und mordet, besitzt einen Hang zur Theatralik und gilt als sehr gefährlich.
Inzwischen wurde in Gotham der Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent neu gewählt. Dent ist die Lichtgestalt von Gotham und mit seinem unbestechlichen Image nährt er die Hoffnungen der Bürger auf eine positive Zukunft. Batman glaubt, dass Dent ihn in naher Zukunft ablösen kann. Als gerechter Vertreter der Justiz, unmaskiert, adäquat sowie legitim in seinem Handeln und seiner Existenz, sei er der bessere Held Gothams. Zusammen mit dem rechtschaffenen Lieutenant Jim Gordon und der Hilfe von Batman, versucht das Triumvirat Gothams Kriminalität das Handwerk zu legen.
Joker baut währenddessen in der Stadt seine Macht aus und hält immer mehr Fäden in seinen Händen. Er erweist sich als ein psychopathischer und unberechenbarer Killer, der keine Skrupel und auch keine Plan besitzt, außer die Stadt und ihre Bewohner in Chaos und Anarchie zu stürzen und diese brennen zu sehen. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, muss er an den Beschützern Gothams vorbei. Er beginnt ein dämonisches Spiel, ein Spiel das von Erpressung, Mord und Zerstörung geprägt ist und das in dessen Endbilanz sehr verlustreich ausfällt.

Meinung zum Film:

Die langersehnte Fortsetzung knüpft genau dort an, wo “Batman Begins” aufhört. Der Film erweist sich mit seinen 152 Minuten (2½ Stunden) als ein breit angelegtes episches Spektakel, mit top Besetzung bis in die Nebenrollen hinein, gewohnt spektakulärem orchestralischem Soundtrack von Hans Zimmer und James Newton und einer tollen Optik. Gotham präsentiert sich dem Zuschauer metallisch, gläsern und kalt, was die düsteren Grundstimmung des Films gut unterstreicht. Wirkt zugleich aber auch blass, durch jede andere real existierende Großstadt austauschbar und besitzt so gut wie keine markanten Bauwerke. Man versucht hier das fiktive Universum zu sehr mit der echten Welt zu verschmelzen und nimmt dem Film damit etwas an Atmosphäre.

Die beiden Routiniers und Oscarpreisträger Michael Cain als Butler Alfred Pennyworth, der für Bruce Wayne moralische Unterstützung und Vaterfigur ist und Morgan Freeman als Lucius Fox , welcher der Abteilungsleiter für angewandte Wissenschaften bei Wayne Enterprises ist und als gewiefter Fuchs Batman mit allerlei technischem Spielzeug versorgt, machen beide ihre Arbeit sehr überzeugend. Sie unterstützen Bruce Wayne / Batman mit Ratschlägen, technischem Spielzeug und liefern immer wieder sehr amüsante One-liner. Wem ihre sympathische Darstellung aus dem ersten Teil bekannt ist, darf auch hier wieder ähnliches Niveau der beiden Rollen erwarten.
Weiterhin zieren den den Cast dieses Sequels solche Größen wie Gary Oldman als Lieutenant Jim Gordon, Heath Ledger in der Rolle des Batmanerzfeindes Joker, Christian Bale mimt wieder Bruce Wayne und sein Alter Ego Batman, der aufstrebende Schauspieler Aaron Eckhart ist als Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent tätig und Maggie Gyllenhaal ist als Staatsanwältin Rachel Dawes zu bewundern.

Die Story und das Drehbuch stammen auch dieses Mal wieder von C. Nolan Brüdern und David S. Goyer. Diese haben bereits beim ersten Film zusammengearbeitet und bezogen auch Nolans Bruder (Jonathan Nolan) in den kreativen Prozess mit ein.
Während sich der ersten Teil vordergründig um Bruce Wayne und die Geburt des dunklen Ritters beschäftigt, konzentriert sich der zweite Teil auf die Beziehungen und die Symbiose der vorhandenen Charaktere. Auch wird erstmals Batman kritisiert und seine Selbstjustiz infrage gestellt. Ebenso wichtig erschien es den Machern, das Verhältnis zwischen dem Staat und den Kriminellen/Terroristen in den Film mit einzubeziehen und die dabei entstehenden Schwierigkeiten zu verdeutlichen.
Die Story serviert einige Überraschungen, fällt abwechslungsreich aus und unterhält fast über die gesamte Dauer des Films ziemlich gut. Außerdem durchleben alle storyrelevanten Figuren eine Entwicklung, wodurch der Eindruck vermitteln wird, dass sich alle Figuren am Geschehen beteiligen und niemand überflüssig ist.
Positiv kann ich auch noch anmerken, dass man auf Übertreibungen in der Story und einen Cliffhanger verzichten konnte. Das bewirkt, dass der Film als schlüssig und abgeschlossen verstanden werden kann.

Die Motive einiger Figuren mögen unter Umständen etwas unnatürlich erscheinen und bei all der Qualität entweder ärgerlich, oder als verschmerzbar wirken. Dann gibt es wiederum einige kleine Szenen, die man als zu sehr getimet empfinden könnte. Ich persönlich empfand diese kurzen Momente als etwas störend und es ist der sonstigen Brilanz eines Christopher Nolans nicht würdig. Wenn man nicht zu sehr ins Detail geht und den Comiccharakter der Vorlage hervorhebt, so dürfen diese Kritikpunkte relativ wenig ins Gewicht fallen und könnten nur den Cineasten ein kleiner Dorn im Auge sein.
Auf der anderen Seite hätte man den Film auch etwas kürzen können. So ist z.B. der Ausflug Batman nach Hongkong nicht wirklich nötig gewesen und der Gastauftritt von Scarecrow (einem Bösewich aus “Batman Begins”), gespielt von Cillian Murphy, wirkt auch nicht unbedingt spektakulär. Etwas mehr Screentime für die alte Vogelscheuche wäre hier angebracht gewesen.

Zu dem Cast lässt sich im Detail folgendes sagen: Garry Oldman macht eine sehr gute Figur in seiner Rolle. Er verleiht der Figur Jim Gordon viel Menschlichkeit und ist sowohl als Commissioner, wie auch als sorgenvoller Vater und Familienmensch sehr gut anzusehen.
Aaron Eckhart ist der neue Star des Franchise. Er ist neben Joker ein weitere Motor für den Antrieb die Entfaltung der Story, gleichzeitig kommt ihm allerdings auch eine sehr tragische Rolle zu, die Gott sei Dank (diese Worte gebrauche ich wirklich selten) ohne viele Klischees solcher Charaktere auskommen muss. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und fügt sich somit wunderbar ins realitätsnahe Szenario der neuen Batmanwelt.
Der Hype um Ledgers Leistung ist so eine Sache – was wohl mit seinem plötzlichen Tod nach den Dreharbeiten zu tun hat – doch eines ist gewiss, es ist bei weitem eine der beste und teuflischsten Darstellung eines Filmbösewichtes der letzten Jahre. Joker: “This city deserves a better class of criminal and I’m gonna give it to them.” Diese Worte wirken fast schon etwas prophetisch, denn sie stimmen und man muss es wirklich gesehen haben! Wirklich schade, dass es Ledgers letzter Auftritt als Joker bleiben wird.
Joker bringt Chaos in die geschaffenen Strukturen von Gothams Verbrechensbekämpfung und auch er ist es, der allen im Film die Show stiehlt. Seine perfide Art und sein fiebriges und psychopathisches Wesen wird von Heath Ledger eindrucksvoll dargestellt. Ledger schafft es eine Darstellung abzuliefern, die die Zuschauer an seinen Lippen hängen lässt und man von ihm völlig gebannt zusehen muss sobald er den Raum betritt. Er bringt Batmans Pläne gehörig ins wanken, da er das absolute Gegenpol zu ihm darstellt. Während Batman stets einen Plan besitzt und Regeln befolgt, interessiert Joker weder Geld, noch Ruhm, noch irgendwelche Pläne, Regeln und Gesetze. Das ist auch seine größte Waffe, mit der er Batman an den Rand der Legalität treibt und die Ordnung stört. Zwar hat Joker auch seine Ziele, doch er findet viel mehr Gefallen daran mit Batman zu spielen und Chaos zu stiften. Seine Taten liegen dabei oft außerhalb von Berechnungen und Logik und diese Spontaneität und Unberechenbarkeit machen ihn zu einer harten Nuss für Gothams dunklen Ritter.
Einen ausführlichen Vergleich mit Nicholsons Joker vermeide ich besser an dieser Stelle. Die Zeiten ändern sich und Ledgers Version passt eben viel besser in die heutige Zeit hinein. Ledger ist zwar mein Favorit, doch Nicholson hat ebenfalls seinen Charme und darf keinesfalls als Vergangenheit abgetan werden.
Christian Bale steht in diesem Film ausnahmsweise etwas im Schatten von Mr. Ledger, aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn auch er hat seine Momente und strahlt als pechschwarze Fledermaus viel Stärke und Cooleness aus. Egal ob Bruce Wayne oder Batman, man kauft ihm seine Rolle ab. Was sehr erheiternd ausfällt, ist die Darstellung von Bruce Waynes öffentlichem Leben, immer wieder tritt er in Begleitung von irgendwelchen namenlosen, aber sehr attraktiven Mädchen auf. Das hat man schon im ersten Teil gesehen. So ein Doppelleben macht es wohl nicht einfach eine feste Beziehung mit jemanden einzugehen. ;-)
Ansonsten kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass so gut wie alle wichtigen Figuren, eine angemessene Screentime erhalten haben und niemand austauschbar, oder glanzlos auf der Leinwand wirkt.

Die Kampfszenen wurde in “TDK” besser gefilmt als noch im ersten Teil. Während noch in “Batman Begins” verwackelte und mit vielen Schnitten versetzte Aufnahmen die Optik prägten, lässt man dem Auge jetzt wesentlich mehr Zeit zur Erfassung von Bewegungen und eine bessere räumliche Wahrnehmung.
Wie die Trailer bereits zeigen, gibt es auch in diesem Teil wieder Szenen mit dem großartigen Tumbler (ein riesiges Automobil von Batman) und dem neuen Spielzeug seiner dunklen Majestät, dem Batpod (Batmans Motorrad). Auch der neue Anzug lässt wesentlich mehr Bewegungsfreiheit zu und die gestiegene Agilität ist dem geflügelten Fledermausmann deutlich anzumerken.
Nolan verzichtet größtenteils auf CGI-Effekte. Sie werden hin und wieder eingeschleust, doch wirken eher subtil und somit keinesfalls störend. Das ist gut, denn es lässt die Action viel realistischer wirken, als es bei anderen Actionfilmen der Fall ist.
All das, wie auch die gut gelungenen Suspense-Momente werden durch den tollen Soundtrack untermalt. Der akustische Flügelschlag ist in den Stücken wieder einmal zu vernehmen. Sehr gefallen haben mir darüber hinaus auch noch einige Szenen, in denen plötzlich Musik und sonstige Geräusche leiser gedreht werden und man für einige Augenblicke ein dumpfes Rauschen, oder einen monotonen Ton vernimmt. Sehr minimalistisch und eindrucksvoll!

Bevorzugt sei allen empfohlen den Film im Originalton zu sehen. Hier kann sich die gesamte Finesse von Jokers Worten und auch allen anderen toll geschrieben Gesprächen entfalten. Dennoch kann man den Film auch in deutscher Sprache sehr gut genießen. Den deutschen Synchronsprechern kann man an dieser Stelle einen Lob aussprechen.

Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Nun, zum Glück trifft es im Falle von “TDK” nicht exakt so zu wie in dieser Redewendung. Es gibt außerhalb den bereits genannten Kritikpunkten einige Logiklöcher. Zum Beispiel: Warum gehen Gothams Bürger und Polizisten auf Jokers Aufforderung ein, einen Mann zu töten und damit die Sprengung des Krankenhauses zu verhindern? Oder: Joker sprengt ein Krankenhaus und man fragt sich, wie er wohl so viel Sprengstoff – die Sprengung ist wirklich gewaltig – in ein Krankenhaus befördern konnte, indem es Tag und Nacht gearbeitet wird?
Jeder muss selbst entscheiden inwiefern ihn diese Momente stören, oder nicht.

Der Film ist trotz seiner bereits erwähnten Länge kurzweilig und das Geschehen kann durchaus fesseln. Das Ende hat es wieder einmal in sich und macht Lust auf eine weitere Fortsetzung. Er hat vor allem eine sehr ernste Grundstimmung und ist weniger für Kinder, denn für große Kinder geeignet. Die Macher schrecken nicht davor Charaktere sterben zu lassen und das Gesamtprodukt ist ein Paradebeispiel für einen respektvollen Umgang mit solchen ernsten Vorlagen. Hier hat man auf Qualität statt auf den schnellen Dollar gesetzt, was sich beachtlich auszahlt. Batman bricht einen Boxoffice-Rekord nach dem anderen. Die Kassen klingeln in den Staaten schon mächtig und auf IMDb belegt der Film in der Top-Liste den ersten Platz, was zwar nicht ganz berechtigt ist, aber die Qualität und das positive Echo erahnen lässt. Comicfans werden nicht enttäuscht und kriegen ein Fest der Superlative. Alle anderen werden einen guten Film erleben, einzige Voraussetzung, man bringt den etwas grotesken Figuren und der Vorlage etwas Sympathie und Verständnis entgegen.

Der Film kommt am 21. August zu uns in die Kinos. Viel Spaß beim Anschauen!

Wertung:

Als Batman-Fan kann ich nicht anders als diesem Werk eine 9/10 Wertung zu vergeben. Dieses Actiondrama sollte man keinesfalls verpassen!

Gruß anZen

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Written by anZen in: Medien, Rezensionen |

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